Nord-Ostsee-Kanal wird fit gemacht für die Zukunft

15.12.2008 15:39 Uhr
Nord-Ostsee-Kanal
Jährlich werden auf dem NOK rund 100 Millionen Tonnen Güter transportiert (ddp)
© Foto: ddp

Der Vollausbau der Wasserstraße soll 2018 abgeschlossen werden

Brunsbüttel. Marine-Strategen haben den Nord-Ostsee- Kanal (NOK) gegen Ende des 19. Jahrhunderts geplant, damit die kaiserlichen Kriegsschiffe schneller zwischen Deutscher Bucht und Ostsee manövrieren konnten. Acht Jahre dauerten die Bauarbeiten, und 156 Millionen Goldmark kosteten sie. Heute ist der NOK die meist befahrene künstliche Wasserstraße der Welt und soll „fit“ gemacht werden für die Handelsschifffahrt der Zukunft, sagte der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes Brunsbüttel, Thomas Fischer. Darum soll der 100 Kilometer lange Kanal möglichst bald um einen Meter vertieft und drei enge Kurven bei Kiel begradigt werden, betonte er. Auch soll eine dritte Schleuse in Brunsbüttel gebaut werden. Einen Termin für den Start der Bauarbeiten gibt es noch nicht. Die Arbeiten selbst werden aber mindestens zehn Jahre dauern und mehr als 410 Millionen Euro kosten. Doch das Geld ist gut angelegt, meint Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU). Er nennt den NOK die „Hauptverkehrsader Nordeuropas, die als Tor zur Ostsee Skandinavien und die Baltischen Staaten an den Weltverkehr anschließt“. Verständlich, denn der NOK erspart den Kapitänen zehn Stunden Fahrtzeit: Den 260 Seemeilen (480 Kilometer) langen und angesichts der hohen Treibstoffkosten relativ teuren Umweg um Skagen. Rund 42.000 Schiffe nutzen deshalb jedes Jahr den langen „Schleichweg“ quer durch Schleswig-Holstein – Tendenz steigend. Und auch bei der Größe der Schiffe geht es stets weiter aufwärts, zeigt die Kanalstatistik. Vor allem Schiffe ab 160 Metern Länge nutzen den NOK seit vier Jahren immer häufiger. Doch bei 235 Metern Schiffslänge ist bislang definitiv Schluss. Länger dürfen die Schiffe nicht sein, sonst kommen sie auf der so genannten Oststrecke um einige enge Kurven nicht herum. Grund ist ein „Nadelöhr“ zwischen Königsförde und den Levensauer Hochbrücken. Dort wurde seit 1914 nicht mehr gebaut, und das Fahrwasser ist zum Teil nur 44 Meter breit. Mindestens 70 Meter sollen es jetzt werden, dazu eine Vertiefung der Fahrrinne auf 10,50 Meter, damit auch große Schiffe bis 280 Metern Länge und 33 Metern Breite den NOK befahren können. Davon werde der ganze deutsche Norden profitieren, sagt Carstensen. Der NOK habe eine unverzichtbare Funktion im Zubringer- und Verteilerverkehr der europäischen Nordseehäfen mit den Ostseeanrainern. „Jeder dritte Container, der in Hamburg umgeschlagen wird, geht in den Ostseeraum oder kommt aus dem Ostseeraum.“ Auch für Bremen/Bremerhaven sowie Wilhelmshaven sei der NOK als direkter Seeweg mit seiner kurzen und schnellen Verbindung eine exzellente Voraussetzungen für attraktive und wettbewerbsfähige Seetransportleistungen. Zurzeit werden auf dem NOK pro Jahr rund 100 Millionen Tonnen Güter transportiert. Das ist im Vergleich zu 1999 eine Steigerung um mehr als 100 Prozent. Der Vollausbau des gesamten Kanals könnte im Jahr 2018 fertig gestellt sein, hofft Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). (dpa)

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