19.09.2011 | Transport + Logistik

Niederländische Binnenschifffahrt: Bis zu 130 Schiffsrümpfe liegen auf Halde

Rotterdam. In den Niederlanden warten weiterhin zwischen 40 und 130 in China gebaute Binnenschiffsrümpfe auf ihre Weiterverwendung. Das berichtet das niederländische Branchenblatt „Schuttevaer". Ein Großteil dieser Kaskos gelangte noch vor dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im September 2008 mittels Spezialtransport auf dem Seeweg in den Rotterdamer Hafen. Trotz des langen Seetransportes von Asien bis nach Nordwesteuropa waren die Rümpfe vor der Krise im Vergleich zu in Europa gefertigten Rümpfen noch günstig. Die Rümpfe wurden anschließend vornehmlich auf niederländischen Werften nach Kundenvorgaben zu vollständigen Binnenschiffen komplettiert. Die Baukosten beliefen sich in der Summe für einen Standard-Trockenfrachter von 110 Meter Länge bei gut 4,5 Millionen Euro.

In China soll die Masse der Schiffsrümpfe liegen

Als Folge der Weltwirtschaftskrise, die auch die niederländische Binnenschifffahrt mit voller Wucht traf, brach der Markt vollständig ein. Viele Bauvorhaben wurden nicht mehr realisiert, auch weil die Banken keine Finanzierung bewilligten. Dem Fachblatt zufolge befindet sich in China noch ein Vielfaches der jetzt in den Niederlanden auf Halde liegenden Schiffsrümpfe. Dafür sind Anzahlungen geleistet worden, die sich in einer Größenordnung von bis zu 20 Prozent des Rumpfpreises bewegen. Da die Verträge seitens der europäischen Auftraggeber nicht erfüllt wurden, sind die Anzahlungen verloren, das heißt, sie verbleiben den chinesischen Werften.

Verschrottung kommt als Option kaum in Frage

Derzeit wird in niederländischen Binnenschiffskreisen intensiv darüber nachgedacht, was mit den unvollendeten Rümpfen passieren könnte. Dabei reicht das Spektrum von „Verschrottung" bis hin zum „Abwarten, bis sich der Markt wieder erholt hat". Das dürfte nach Einschätzung verschiedener Experten allerdings erst in vier Jahren wieder der Fall sein.

Gegen eine Verschrottungs-Option spricht, dass die Schiffsrümpfe aus heutiger Sicht zu teuer sind, das heißt eine Verschrottung wäre mit einem enormen finanziellen Verlust für die Auftraggeber verbunden. Aufgrund der weiterhin schwierigen Lage in weiten Teilen der europäischen Binnenschifffahrt haben es die auf dieses Segment spezialisierten Werften sehr schwer, Neubauaufträge an Land zu ziehen. Und wenn, dann gelingt ihnen das nur über erhebliche Preisnachlässe. Dem Fachblatt zufolge liegen die Baukosten für den bereits erwähnten 110-Meter-Standardfrachter derzeit bei rund 3,3 Millionen Euro.

Der Zustrom neuer China-Kaskos ist inzwischen deutlich abgeebbt. Sowohl 2010 als auch im laufenden Jahr sind nur noch wenige neue Rümpfe in den Niederlanden eingetroffen. (eha) 

 
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