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28.08.2009

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premiumNachtflugverbot in Frankfurt: Lufthansa droht mit Aufgabe der Frachtflotte

Falls Nachtverbot in Kraft tritt: Abbau von 19 Frachtmaschinen / Mindestens 2.300 Arbeitsplätze bei Lufthansa Cargo in Gefahr
Für den Fall, dass das absolute Nachtflugverbot in Frankfurt in Kraft tritt, kündigte Lufthansa an, die Frachtflotte aufzugeben
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Frankfurt/Main. Die Lufthansa will ihre Frachterflotte im Falle eines absoluten Nachtflugverbots am Frankfurter Flughafen aufgeben. Die 19 Frachtmaschinen vom Typ MD 11 würden dann schrittweise abgeschafft, sagte Lufthansa-Cargo-Vorstandschef Carsten Spohr am Freitag in Frankfurt. Mindestens jeder zweite der rund 4700 Arbeitsplätze bei Lufthansa Cargo würde wegfallen. Besonders betroffen wäre der Rhein-Main-Flughafen, wo auch viele Speditionen und Dienstleister vom Geschäft mit der Luftfracht abhängig sind.

Bislang arbeitet Lufthansa Cargo nach dem Geschäftsmodell, Fracht sowohl mit den eigenen Frachtflugzeugen als auch im Frachtraum der konzernweit mehr als 500 Passagierflugzeuge rund um den Globus zu transportieren. Auf beide Transportwege entfällt jeweils rund 50 Prozent des Aufkommens von zuletzt 1,9 Millionen Tonnen im Jahr. Am zentralen Drehkreuz in Frankfurt, dem größten Luftfrachtflughafen in Europa, wird ein Großteil der Güter umgeschlagen. Dieses Modell werde sich ohne Nachtflüge nicht mehr rechnen, sagte Spohr. Lufthansa Cargo würde dann nur noch die Frachträume in Passagiermaschinen nutzen.

Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hatte vor einer Woche entschieden, dass die Nachtflüge nach dem Ausbau des Flughafens um eine vierte Piste aus Lärmschutzgründen massiv eingeschränkt oder ganz verboten werden müssen. Zuvor waren im Planfeststellungsverfahren 17 Flüge in der Kernnacht zwischen 24.00 und 5.00 Uhr erlaubt worden. Lufthansa hatte sogar einen Bedarf von
23 Nachtflügen im Jahr 2020 angemeldet, davon 20 für den Frachttransport. Wegen angekündigter Rechtsmittel wird letztlich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig darüber zu entscheiden haben.

Spohr erwartet Revision gegen VGH-Urteil

Spohr zeigte sich zuversichtlich, dass Nachtflüge doch noch zugelassen werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Deutschland als Exportnation Nummer eins seinen größten Flughafen nachts zumacht.“ Er erwarte von der Landesregierung in Wiesbaden, dass diese Revision gegen das VGH-Urteil einlegt. Lufthansa Cargo hat laut Urteil des Gerichts derzeit kein Recht, selbst Revision einzulegen. Wenn das Land nicht in Revision gehe, werde Lufthansa Cargo eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung einer eigenen Revision einlegen. Man werde jede juristische Möglichkeit nutzen. Auch Gegner des Flughafen-Ausbaus wollen die Bundesrichter anrufen.

Zudem forderte Spohr die Bundesregierung auf, eine Rechtslage zu schaffen, die Nachtflüge in Frankfurt ermögliche. Er wies darauf hin, dass das Flughafenkonzept der Bundesregierung „bedarfsgerechte Kapazitäten auch in der Nacht“ vorsehe.

Frankfurt-Hahn keine Alternative

An anderen europäischen Flughäfen wie London, Amsterdam oder Paris seien Nachtflüge möglich, sagte Spohr. Es sei auch keine Alternative, mit den Nachtflügen auf den rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernten Flughafen Hahn im Hunsrück auszuweichen. Kein Spediteur werde für 18 Stunden am Tag in Frankfurt ein Frachtzentrum unterhalten und die übrigen 6 Stunden an einem zweiten Standort arbeiten, sagte Spohr. Vielmehr würden Frachtströme dann komplett verlagert.

Nach Angaben von Spohr werden rund 40 Prozent der in Deutschland produzierten Waren exportiert. Wertmäßig entfalle davon die Hälfte auf den Luftverkehr. Frankfurt habe innerhalb von Deutschland einen Anteil von rund 60 Prozent am gesamten Luftfrachtverkehr. Innerhalb des Lufthansa-Konzerns macht der Frachtbereich mehr als zehn Prozent des Umsatzes aus. (dpa)
Mehr zum Thema: Luftfracht, Lufthansa, Lufthansa Cargo

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