23.11.2009 | Transport + Logistik

MAN-Chef Håkan Samuelsson geht

München. Der Chef des Nutzfahrzeugkonzerns MAN, Håkan Samuelsson, tritt ab. Samuelsson habe sein Amt niedergelegt und werde das Unternehmen auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung verlassen, teilte MAN am Montagabend in München mit. Dem Vernehmen nach übernimmt er die politische Verantwortung für die Schmiergeldaffäre, mit der MAN seit Mai kämpft. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München stellte klar, dass nicht gegen Samuelsson ermittelt wird. „Herr Samuelsson wird bei uns nicht als Beschuldigter geführt.“ Kommissarischer Nachfolger an der MAN-Spitze wird Georg Pachta-Reyhofen. Der Manager ist Chef der Dieselmotorensparte und wird beide Ämter zunächst in Personalunion wahrnehmen.

Samuelsson wolle mit seiner Entscheidung dazu beitragen, dass sich MAN wieder voll und ganz seinen Kerngeschäften und seiner weiteren Unternehmensentwicklung widmen könne, hieß es zur Begründung. „Samuelsson ist zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte.“ Die Aktie reagierte positiv auf die Nachrichten. Kurz vor Börsenschluss stand sie rund 3,4 Prozent im Plus bei 61,50 Euro.

Das Präsidium des Aufsichtsrats habe „größten Respekt vor seiner Entscheidung“, hieß es weiter in der Mitteilung. Es danke ihm für seine jahrelang geleistete Arbeit. Seit 2000 habe der Schwede durch seinen Einsatz dazu beigetragen, MAN positiv weiterzuentwickeln. Nähere Angaben machte das Unternehmen zunächst nicht. „Das war allein der Wunsch von Herrn Samuelsson“, sagte ein Sprecher.

In der Schmiergeldaffäre geht die Staatsanwaltschaft dem Verdacht nach, dass vor allem im Lastwagen-Geschäft Verkäufer in den Niederlassungen Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden zahlten, um den Verkauf anzukurbeln. Im Visier sind weit mehr als 100 Beschuldigte. Das Geld soll teils über Konten von Angehörigen und Freunden der Empfänger geflossen sein. Seitdem musste bereits eine Reihe von Führungskräften bei MAN gehen, darunter der Vertriebsvorstand von MAN Nutzfahrzeuge, Peter Erichreineke.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München sagte: „Wir können keinen Zusammenhang mit dem bei uns geführten Ermittlungsverfahren erkennen. Das ist eine unternehmerische Entscheidung.“

Die IG Metall begrüßte die Entscheidung. „Aus Sicht der IG Metall müssen Manager die politische Verantwortung für gravierendes Fehlverhalten oder Missstände in ihrem Zuständigkeitsbereich übernehmen und entsprechende Konsequenzen ziehen“, teilte die Gewerkschaft mit. Bezirksleiter Werner Neugebauer erklärte, mit dem Rücktritt werde nach der Korruptionsaffäre der Weg frei für einen unbelasteten Neuanfang. (dpa)

 
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