12.08.2009 | Transport + Logistik

Machtkampf zwischen Conti und Schaeffler beendet

Hannover. Mit einem grundlegenden Umbau der Conti-Spitze wollen der Autozulieferer Continental und sein Großaktionär Schaeffler ihren monatelangen Machtkampf beenden. Neuer Conti-Vorstandschef ist der Schaeffler-Manager Elmar Degenhart. Er löst Karl-Thomas Neumann ab, der nach einem erbitterten Machtkampf mit Schaeffler nach nicht einmal einem Jahr von seinem Amt zurückgetreten ist. Zugleich aber soll auch der Schaeffler-Berater Rolf Koerfer mittelfristig seinen Posten als Aufsichtsratschef bei Conti aufgeben. Der Conti-Vorstand wird erweitert. Diesem Kompromiss im Machtkampf stimmte der Conti-Aufsichtsrat heute in Hannover auf einer Krisensitzung zu.

Eine mögliche Zusammenführung von Schaeffler und Conti dagegen scheint vorerst auf Eis gelegt zu sein. Der stellvertretende Conti- Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE sagte, er rechne innerhalb der nächsten zehn bis 12 Monate nicht mit einer Fusion. Im Mittelpunkt bei Conti dürfte nun eine geplante Kapitalerhöhung für den finanziell angeschlagenen Autozulieferer stehen. Der Aufsichtsrat hatte Ende Juli auf Drängen Neumanns grünes Licht für die Vorbereitung einer Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Milliarden Euro gegeben. Der Aufsichtsrat bestätigte diesen Auftrag am Mittwoch. Eine Kapitalerhöhung aber könnte den Anteil Schaefflers an Conti verwässern.

Die beiden hoch verschuldeten Konzerne hatten sich einen erbitterten Machtkampf geliefert. Der 48 Jahre alte Neumann hatte das Vertrauen des Großaktionärs verloren. Schaeffler aber war bei einer dramatischen Aufsichtsratssitzung Ende Juli damit gescheitert, Neumann zu stürzen. Die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit für eine Ablösung kam wegen des Widerstands der Arbeitnehmerseite nicht zustande. Danach kam es zu Verhandlungen über eine Kompromisslösung. Vor allem die Gewerkschaften hatten dabei auf eine Ablösung Koerfers als Aufsichtsratschef gedrängt. Er stand seit der Aufsichtsratssitzung Ende Juli heftig in der Kritik, vor allem wegen der Vorbereitung und Leitung des Treffens.

Koerfer erklärte nun laut Conti seine Bereitschaft, den Aufsichtsratsvorsitz abzugeben, nachdem die Neuordnung des Vorstands vollzogen sei - insbesondere die Bestellung eines Finanzvorstands. Zudem soll ein neuer Aufsichtsratschef von außen gesucht werden. Koerfer soll dem Aufsichtsrat aber weiter als einfaches Mitglied angehören. Nach den Worten Bischoffs soll Koerfer den Vorsitz im Aufsichtsrat bis zur nächsten Sitzung des Gremiums am 29. September niederlegen. Bis dahin solle die Neuordnung des Vorstands abgeschlossen sein.

Neu in den Conti-Vorstand rücken neben Degenhart drei Conti- Manager. Dies sind der Leiter der PKW-Reifensparte, Nikolai Setzer, der Chef der Sparte Interior, Helmut Matschi, sowie der Leiter der Sparte Chassis & Safety, Ralf Cramer. Im Amt bleiben Personalchef Heinz-Gerhard Wente und LKW-Reifenchef Hans-Joachim Nikolin. Der 50- Jährige Degenhart sagte bei der Vorstellung des Vorstandsteams, Conti habe gemeinsam mit Schaeffler die Chance, eine „großartige Zukunft“ zu gestalten.

Neumann bekommt nach den Worten Bischoffs eine Abfindung von 7,4 Millionen Euro. Sein Vertrag lief eigentlich noch bis ins Jahr 2014. Die Schaeffler-Gruppe beteiligt sich an den Kosten für die Abfindung Neumanns. In Aufsichtsratskreisen wurde darauf hingewiesen, dass dies auf Druck der Arbeitnehmervertreter passiere.

Die Schaeffler-Gruppe erklärte, die Beschlüsse machten den Weg frei für eine „vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Unternehmen im Interesse der Kunden“. Schaeffler halte unverändert am Ziel fest, einen globalen Technologiekonzern mit den drei Sparten Automotive, Industrial und Reifen zu schaffen. Bischoff sprach von „sehr schwierigen“ Verhandlungen über den Kompromiss. Die Conti können nun aber wieder Fuß fassen. „Die Zeit der Zerstrittenheit hat dem Unternehmen nicht gut getan.“

Eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen hätten Commerzbank-Chef Martin Blessing - Vertreter der Gläubiger-Banken - und Altkanzler Gerhard Schröder gespielt. Schröder ist Garant der Investorenvereinbarung zwischen Conti und Schaeffler. Er hatte rechtlich prüfen lassen, ob Schaeffler die Vereinbarung gebrochen hat und damit den Druck auf das Familienunternehmen aus Herzogenaurach erhöht. Schröder erklärte, er halte den Kompromiss für „vertretbar“.

Damit seien die Gründe für eventuelle gerichtliche Maßnahmen entfallen. Conti-Aufsichtsrat Hartmut Meine von der IG Metall sprach von einem tragfähigen Kompromiss. Die Gewerkschaften hätten gerne an Neumann festgehalten, hätten aber einer Lösung der Situation nicht im Wege stehen wollen, da auch Koerfer von seiner Funktion zurücktrete.

Schaeffler hält knapp die Hälfte der Conti-Aktien, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt. Schaeffler war wegen des Erwerbs der Mehrheit an Conti in eine finanzielle Schieflage geraten. Continental und Schaeffler verhandeln seit Monaten über die Zukunft der beiden hoch verschuldeten Konzerne. (dpa)

 
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