Lufthansa will österreichische AUA kaufen

04.12.2008 10:00 Uhr
AUA
Für die Übernahme der AUA sollen zunächst 41,56 Prozent der Anteile der staatseigenen ÖIAG abgekauft werden (Bild: AUA)
© Foto: AUA

Staatshilfe in Höhe von 500 Millionen Euro notwendig

Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa will nach der Übernahme der Schweizer Swiss nun auch die österreichische Fluggesellschaft AUA übernehmen. Der Aufsichtsrat des Unternehmens stimmte am Mittwoch zu, bis zu 100 Prozent der Anteile an der teils noch staatseigenen Austrian Airlines (AUA) für maximal 377,4 Millionen Euro kaufen. Die österreichische Staatsholding als Großaktionär begrüßte das Angebot und will an diesem Freitag über den Vertrag abstimmen. Bedingung der Lufthansa ist, dass die Europäische Union einen Restrukturierungsbeitrag der Wiener Regierung für die angeschlagene AUA in Höhe von 500 Millionen Euro genehmigt. „Die Lufthansa als Partner für die AUA sichert nicht nur den Bestand von Marke und Arbeitsplätzen, sondern wird ihr auch langfristig den Zugang zu lebenswichtigen internationalen Passagierströmen bringen“, teilte der Vorstandschef der Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis, mit. Dies sei für das Streckennetz wie auch für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts von zentraler Bedeutung. Mit der Übernahme in Österreich würde die Lufthansa ihre Stellung als eine der größten Fluggesellschaften der Welt weiter festigen. Die AUA zählte 2007 rund 10,8 Millionen Passagiere, die Lufthansa kam einschließlich der Swiss und mehrerer Regionalgesellschaft auf knapp 63 Millionen Fluggäste. Zudem hat Lufthansa noch Minderheiten an weiteren Fluggesellschaften. Als Marktführer in Europa gilt bislang Air France-KLM mit rund 75 Millionen Passagieren. Über die Zukunft der AUA machte die Lufthansa in ihrer Mitteilung keine Angaben. Allerdings hatte Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer schon im Sommer angekündigt, AUA werde bei einer Übernahme ähnlich wie die Swiss ihre Marke, eigene Flotte und Verantwortung im Konzernverbund behalten. Der Flughafen Wien würde dann neben Zürich, Frankfurt und München das vierte große Drehkreuz des Lufthansa-Konzerns. Die einst ebenfalls unter Druck stehende Swiss gilt als Erfolgsmodell einer erfolgreichen Sanierung. Zuletzt hatte Lufthansa den Einstieg bei der kleineren belgischen Brussels Airlines bekanntgegeben, die ebenfalls im Konzernverbund weiterfliegen soll. Für die Übernahme der AUA ist eine schrittweise Vorgehensweise geplant. Zunächst sollen 41,56 Prozent der Anteile der staatseigenen Österreichische Industrieholding AG (ÖIAG) abgekauft werden. Der Preis für den Anteil der ÖIAG ist abhängig von der Entwicklung der Lufthansa-Aktie und der wirtschaftlichen Entwicklung der AUA. Zunächst werden lediglich 366.000 Euro bezahlt. Später könnten nochmals bis zu 162 Millionen Euro fällig werden. Den übrigen Aktionären will Lufthansa ein öffentliches Angebot unterbreiten, dass voraussichtlich auf 4,44 Euro pro Aktie lautet. Die Vereinbarungen sehen vor, dass Lufthansa mindestens auf 75 Prozent aller Aktien kommen muss. Für die ausstehenden Aktien sollen insgesamt weitere 215 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Der Kurs der AUA-Aktie machte in Wien einen Sprung von knapp 40 Prozent auf 3,70 Euro. Die vor allem auf Strecken nach Osteuropa starke AUA ist in die tiefroten Zahlen geraten. Der Netto-Verlust wird in diesem Jahr möglicherweise auf mehr als 400 Millionen Euro steigen, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Zudem brauche man Millionen an Staatsgeldern, um die kommenden Monate überstehen zu können. (dpa)

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