30.07.2009 | Transport + Logistik

Lufthansa sieht kein Ende der Krise

Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa rechnet nicht mit einem baldigen Ende der Branchenkrise und schließt weitere kräftige Einschnitte im Streckennetz nicht aus. „Sie können versichert sein, dass wir auch vor drastischeren Maßnahmen nicht zurückschrecken, sollten sie nötig sein. Und sie werden wahrscheinlich nötig sein“, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow heute bei der Vorlage der Zwischenbilanz zum ersten Halbjahr.

Der Konzernumsatz sank im zweiten Quartal um ein Fünftel auf 5,2 Milliarden Euro. Dank mehrerer Sparprogramme der vergangenen Jahre konnte sich Lufthansa trotzdem in den schwarzen Zahlen halten. Der Überschuss belief sich von April bis Juni auf 40 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies aber einen Rückgang um fast 90 Prozent. Wegen der roten Zahlen im ersten Quartal steht zum Halbjahresschluss unter dem Strich aber noch ein Minus von 216 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Vorabend berichtet hatte.

Besonders schwer traf die Lufthansa der schleppende Ticketverkauf für die First und Business Class. Ein weiterer Grund für die rückläufigen Umsätze sind die stark gesunkenen Treibstoffkosten. Sie gingen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 um mehr als ein Drittel auf 1,56 Milliarden Euro zurück. Allerdings sind die Ölpreise zuletzt wieder gestiegen. Derzeit rechnet die Lufthansa für das Gesamtjahr mit Kerosinkosten von 3,4 Milliarden Euro.

Bislang hat die Lufthansa ihr Flugangebot auf der Langstrecke bereits um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr gekürzt. Pläne für Streichungen um acht Prozent und mehr liegen bereits in der Schublade.

Ungeachtet der Probleme setzt Lufthansa ihren Expansionskurs im Ausland fort. Mit einem Abschluss der Übernahme der österreichischen AUA rechne er für Mitte September, sagte Gemkow. Weil die EU die Übernahme noch genehmigen muss, hat Lufthansa in Österreich eine Fristverlängerung um einen Monat bis Ende August beantragt. Damit haben die EU-Wettbewerbshüter länger Zeit für eine Prüfung. Derzeit gebe es keine weiteren Forderungen der EU-Kommission, über die verhandelt werden müsste, sagte Gemkow. Eine EU-Kommissionssprecherin sagte, es gebe noch Gespräche mit Wettbewerbern der Lufthansa. Im Kern geht es um die Frage, welche Strecken eine fusionierte Lufthansa/AUA aufgeben muss, damit keine Monopole entstehen.

Der geplante operative Gewinn kann aus Sicht des Vorstands nur erreicht werden, wenn die angekündigten Sparanstrengungen in allen Geschäftsbereichen umgesetzt werden. Im Passagiergeschäft will die Lufthansa ihre Kosten bis Ende 2011 um eine Milliarde Euro pro Jahr senken und mittelfristig 400 der insgesamt 2000 Stellen in der Verwaltung der Sparte abbauen. In der Cargo-Sparte hält das Management an der Kapazitätskürzung von 30 Prozent ab Oktober fest. Auch die Kurzarbeit soll beibehalten werden.

Weltweit sind die Umsätze im Luftverkehr derzeit in einem steilen Sinkflug. Im Juni dürften die Erlöse zwischen 25 und 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat eingebrochen sein, erklärte die Weltluftfahrtorganisation IATA in Genf. Der Rückgang der Passagierzahlen hingegen war mit einem Minus von 7,2 Prozent deutlich moderater. Die transportierte Frachtmenge ging um 16,5 Prozent zurück. (dpa)

 
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