15.12.2009 |

Lufthansa erhöht Druck: Demonstration für Nachtflüge

Frankfurt/Main. Im Streit um das geplante Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen erhöht die Lufthansa den Druck auf die Politik. Rund 1000 Mitarbeiter – vor allem von der Frachtsparte Lufthansa Cargo – demonstrierten am Montag gegen ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. "Die Fracht braucht die Nacht", skandierten Cargo-Mitarbeiter, die die Frachtabfertigung für rund zwei Stunden einstellten. Auf mehreren Schildern hieß es mit Verweis auf die wirtschaftliche Bedeutung der Nachtflüge: "Nachts kriegt der Kranich die Mäuse."

Bei eisiger Kälte harrten die Beschäftigten auf der Laderampe des Lufthansa-Cargo-Centers am Flughafen aus, während Vertreter von Betriebsrat, Vorstand und Luftfahrtverband die befürchteten Auswirkungen eines totalen Nachtflugverbots für Unternehmen und Mitarbeiter schilderten. Ein absolutes Nachtflugverbot gefährde tausende Arbeitsplätze an Europas größtem Frachtflughafen, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende, Willi Rörig. "Das Geschäftsmodell von Lufthansa Cargo wäre infrage gestellt."

Das Unternehmenskonzept baut darauf, dass Passagierflieger und Frachtflugzeuge in Frankfurt aufeinandertreffen und die Fracht dort umgeladen werden kann. Rund die Hälfte der Fracht wird in den Bäuchen der Passagiermaschinen transportiert, der Rest in reinen Frachtflugzeugen. Eine Verlagerung der nächtlichen Frachtflüge etwa zum Hunsrück-Flughafen Hahn kommt für Lufthansa Cargo nicht infrage. "Hahn ist für uns keine Alternative", bekräftigte der Frankfurter Betriebsratschef Ralf Müller.

Rörig forderte die Bundesregierung auf, endlich Klarheit für Nachtflugregelungen in Deutschland zu schaffen. "Wir hoffen, dass sich nicht nur die Richter für uns entscheiden, sondern dass man in Berlin eine Entscheidung trifft, die die 'never-ending Story' endlich beendet", sagte er unter dem Applaus der Belegschaft. Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag von Union und FDP Nachtflüge gesetzlich klarer regeln. Der zweistündige Ausstand der Mitarbeiter kam dem Vorstand trotz des boomenden Vorweihnachtsgeschäfts nicht völlig ungelegen. "Lieber stehen die Räder jetzt zwei Stunden lang still, als ab 2011 für sechs Stunden pro Tag", sagte Cargo-Vorstand Karl-Heinz Köpfle. Dann soll mit der Inbetriebnahme der neuen Landebahn die neue Nachtflugregelung greifen.

Hat das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Bestand, gibt es in Frankfurt dann kaum noch Spielraum für Nachtflüge. Die Genehmigung des Landes hatte hingegen noch 17 Flugbewegungen in der Zeit zwischen 23.00 und 5.00 Uhr erlaubt. Letztendlich muss das Bundesverwaltungsgericht entscheiden. Die schwarz-gelbe Landesregierung in Wiesbaden hat sich öffentlich noch nicht festgelegt, ob sie gegen das VGH-Urteil in Leipzig Revision einlegt.

Cargo-Chef Carsten Spohr kündigte an, dass man "für jeden Frachter, jede Nachtflugbewegung und jeden Arbeitsplatz" kämpfen werde – "und zwar bis zur letzten Instanz". Lufthansa will deshalb Nichtzulassungsbeschwerde gegen das VGH-Urteil erheben. "Deutschland braucht Frankfurt als Tor zur Welt", hatte Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber bereits am Morgen gesagt. Rund 60 Prozent der gesamten deutschen Luftfrachtexporte gehen laut Lufthansa über Frankfurt. Dort wickelt Lufthansa Cargo wiederum 60 Prozent des Frachtaufkommens ab. (dpa)

 
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