01.09.2011 | Transport + Logistik

Lang-LKW-Feldversuch: Hessen steigt aus

Wiesbaden. Der von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer noch für dieses Jahr angekündigte Feldversuch mit überlangen LKW steht vor dem Aus. Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) hat die Teilnahme seines Landes abgesagt und den von Ramsauer vorgelegten Verordnungsentwurf scharf kritisiert. Posch bemängelt die festgelegten Routen und die mögliche wissenschaftliche Aussagekraft des Feldversuchs. „Eine hessische Teilnahme am Feldversuch Lang-LKW kann zum jetzigen Zeitpunkt deshalb nicht in Aussicht gestellt werden", sagte Posch. Er forderte Nachbesserungen in der Verordnung.

„Für eine zuverlässige, statistisch aussagekräftige Bewertung der Verkehrssicherheit ist eine hinreichend große Stichprobe zwingend erforderlich. Bei der zeitlichen Komponente kommt noch hinzu, dass für eine realistische Bewertung der Verkehrssicherheit auch die Berücksichtigung von Gewöhnungs- und Routineeffekten notwendig ist", begründete Posch. „Da sind zwei Jahre Evaluierung einfach zu wenig". Diese Vorbehalte habe er bereits im April auf der letzten Verkehrsministerkonferenz vorgebracht.

Posch bemängelt zudem die Kriterien für die Festlegung der Routen außerhalb des Autobahnnetzes. Um die Eignung von Straßen und Kreuzungen für Lang-LKW zu beurteilen, sei deren besonderes Kurvenverhalten zu berücksichtigen: „Hier ist nicht der für die Fahrzeugzulassung herangezogene Wendekreis entscheidend, sondern die für die Straßenplanung relevante Schleppkurve, denn Gespanne dieser Größe brauchen in Kurven besonders viel Platz." Diese Daten seien den Ländern und Gemeinden jedoch nicht bekannt, die Ergebnisse der vom Bundesverkehrsministerium eingerichteten Arbeitsgruppe zum Streckennetz stünden jedoch noch aus, kritisierte Posch.

Posch sieht angesichts der prognostizierten Steigerungsraten im Straßengüterverkehr grundsätzlichen Diskussionbedarf. Diese Diskussion könne sich nicht auf Fahrzeuggrößen beschränken, so der FDP-Politiker.„Ziel muss es sein, den Straßengüterverkehr wirtschaftlich wie auch für die Bevölkerung und die übrigen Verkehrsteilnehmer verträglich abzuwickeln. Vor diesem Hintergrund bin ich grundsätzlich gern bereit, an innovativen technischen, verkehrsorganisatorischen und rechtlichen Ansätzen zur Weiterentwicklung des Straßengüterverkehrs mitzuwirken." (sb) 

 
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Sebastian Bollig
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