München. Die Absatzverluste in der Autobranche von bis zu 30 Prozent in den vergangenen Monaten dürften Lastwagenherstellern derzeit allenfalls ein müdes Lächeln entlocken. Das ohnehin stark von Nachfragezyklen geprägte Geschäft ist im vergangenen Jahr in ein Loch gestürzt, von dessen Boden aus sich das Tageslicht derzeit nur schwer erahnen lässt. Immerhin: Nach einigen Monaten des freien Falls scheinen die Brummi-Bauer von MAN über Daimler bis hin zu Scania und Volvo zumindest gelandet zu sein, wenn auch unsanft. „Der Markt für Lastwagen ist weiter sehr schwach“, sagte MAN-Chef Håkan Samuelsson am Donnerstag in München. „Wir sehen da keine Anzeichen für eine Verbesserung.“ Die Talsohle scheine aber immerhin erreicht. Im Zuge der Wirtschaftskrise ist der globale Warenstrom deutlich dünner geworden, der Bedarf nach Transportmitteln entsprechend gesunken. Die Speditionen und Logistikkonzerne bestellen keine neuen Fahrzeuge, nicht wenige stornieren sogar alte Aufträge. MAN meldete für das erste Halbjahr im Nutzfahrzeuggeschäft ein Auftragsminus von 58 Prozent. In der Lastwagen-Sparte des schwedischen Konkurrenten Volvo waren es ebenfalls 58 Prozent, beim weltgrößten Lastwagenbauer Daimler 59 Prozent und bei Scania satte 65 Prozent. LKW-Bauer reagieren mit Stellenkürzungen Gewinne erwirtschaftet in diesen Zeiten kaum jemand. Nur MAN gelang im zweiten Quartal dank des neu von Volkswagen zugekauften Nutzfahrzeuggeschäfts in Brasilien zumindest für ein kleines Plus. Marktführer Daimler verbuchte dagegen einen operativen Verlust von mehr als einer halben Milliarde Euro, Volvo sogar ein Minus von rund 630 Millionen Euro. Konkurrent Scania verfehlte die schwarzen Zahlen immerhin nur knapp. Die LKW-Bauer reagieren mit massiven Produktions- und auch Stellenkürzungen, um der Lage Herr zu werden. Volvo hat bereits 1500 Mitarbeitern gekündigt. „Volvo ist dabei sicherlich der Hersteller, der am aggressivsten Kapazitäten abgebaut hat“, sagt Branchenexperte Roman Mathyssek vom Analyseinstitut Global Insight. Andere Hersteller wie Scania oder MAN versuchen ohne Kündigungen bei der Stammbelegschaft auszukommen. Scania hat sich mit seinen 12.000 Beschäftigten auf eine Vier-Tage-Woche bei zehnprozentigem Lohnverzicht geeinigt. MAN setzt ebenfalls auf Kurzarbeit, wenngleich auch hier so viel gespart wird wie möglich. Die Zahl der Beschäftigten sank seit Ende 2008 durch natürliche Fluktuation und Abfindungen um vier Prozent auf knapp 49.500. Das Mittel der Kurzarbeit werde so lange wie möglich genutzt, betonte Samuelsson am Donnerstag. „Wir brauchen unsere Mitarbeiter auch in Zukunft.“ Branchenexperte Mathyssek hält die Strategie, die Stammbelegschaft an Bord zu behalten, für sinnvoll. Sollte der Aufschwung kommen, könnte man sofort wieder voll produzieren, sagt er. Die Einarbeitung neuer Leute koste dagegen Zeit und Geld. Insofern ginge Volvo mit seiner Strategie auch ein Risiko ein. Sollte der Aufschwung schnell einsetzen, könnte Volvo an Boden verlieren. Experte rechnet mit Belebung des NFZ-Marktes in 2011 Mathyssek rechnet mit einer ersten Belebung des Marktes im kommenden Jahr. Richtig aufwärts dürfte es dann aber erst wieder 2011 gehen. „Eins ist klar, der nächste Aufschwung kommt bestimmt Schließlich wird man immer Fahrzeuge brauchen, die Güter von A nach B bringen.“ Problematisch sei aber, dass die Flotte in Westeuropa noch sehr jung sei. Erneuerungsbedarf bestehe daher zur Zeit kaum. Bleiben nur neue Märkte. Erst jüngst hat hatte sich MAN mit 25 Prozent am chinesischen Marktführer für schwere LKW, Sinotruck, beteiligt. Daimler hat ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Beiqi Foton geschlossen. Die Partner wollen gemeinsam speziell auf die Märkte in China, Russland und Südamerika zugeschnittene Fahrzeuge entwickeln. (dpa)
Ladenhüter Lastwagen
Nutzfahrzeughersteller befinden sich weiterhin in der Krise