09.05.2008 |

Krauß soll Transnet-Chef werden

Frankfurt/Berlin. Die Gewerkschaft Transnet hat nach der umstrittenen Wechselankündigung ihres langjährigen Chefs Norbert Hansen zur Deutschen Bahn die Nachfolge geregelt. Neuer Frontmann der größten Bahngewerkschaft soll der bisherige Vize-Vorsitzende Lothar Krauß (52) werden, wie Transnet nach Gremienberatungen am Freitag in Frankfurt mitteilte. Der gelernte Energieanlagenelektroniker, der auch Mitglied des Bahn-Aufsichtsrats ist, soll am 16. Mai vom Beirat gewählt werden, dem höchsten Gremium zwischen den Gewerkschaftstagen.

Krauß verteidigte die Bereitschaft seines zurückgetretenen Vorgängers Hansen, als Arbeitsdirektor zur Bahn zu gehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) war nach Angaben eines Regierungssprechers nicht mit der Personalie befasst, die überparteilich heftige Kritik ausgelöst hat.

Krauß sagte, er sei stolz darauf, dass Gewerkschafter auch Verantwortung in der Funktion eines Arbeitsdirektors übernähmen. Dies sei "Bestandteil der deutschen Mitbestimmungskultur" und aus seiner Sicht "vollkommen ok". Auch in anderen großen Firmen seien solche Besetzungen üblich. Hansen selbst betonte am Donnerstagabend, mit ihm als Arbeitsdirektor werde die Stellung der Gewerkschaftsseite gestärkt. "Das Benennungsrecht der Gewerkschaften für diese Funktion ist weitergehender als das, was ihnen bisher bei der Benennung des Personalvorstands über ihre Mandate im Aufsichtsrat gegeben war." Bei der Bundesbahn sei es über Jahrzehnte üblich gewesen, dass Spitzengewerkschafter Personalchefs waren. "An diese alte Tradition wird angeknüpft."

Der künftige Transnet-Chef Krauß ist seit 1999 Gewerkschaftsvize. Der gebürtige Frankfurter ist wie Hansen SPD-Mitglied. Er kündigte an, auf Kontinuität in der Politik der Gewerkschaft setzen zu wollen. Nachfolger von Krauß als stellvertretender Vorsitzender soll der bisher für Tarifpolitik zuständige Vorstand Alexander Kirchner (51) werden, wie nach der Sitzung der Bezirksvorstände und des geschäftsführenden Vorstands mitgeteilt wurde.

Der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Thomas Steg, sagte in Berlin, die Bundeskanzlerin habe sich mit der "Personalie Hansen" nicht beschäftigt. Er verwies darauf, dass die Entwicklung möglicher neuer Strukturen im Konzern für die vorgesehene Teilprivatisierung Angelegenheit von Vorstand und Aufsichtsrat sei.

Der stellvertretende Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion, Klaus Ernst, erneuerte am Freitag die Kritik am geplanten Wechsel Hansens ins Management der Bahn. Als Personalvorstand werde er berechtigte Lohninteressen der Beschäftigten zurückweisen müssen, um das Profitinteresse des Konzerns durchzusetzen. Der neue Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, kritisierte, Hansen habe die Fortsetzung der Beschäftigungssicherung bei der Bahn bis 2023 ohne jeglichen Inhalt als Erfolg verkauft und wechsele nun in einen gut dotierten Job zur Arbeitgeberseite.

Hansen, der seit 1999 Transnet-Chef war, wies Kritik zurück, es gehe ihm um persönliche materielle Vorteile. "Wenn es darum ginge, wäre ich nicht so dämlich gewesen, diesen Job anzunehmen." Mit seinem Schritt solle auch Verunsicherung bei Beschäftigten angesichts des Börsengangs entgegengewirkt werden. Er kenne aus eigener Erfahrung die Befindlichkeiten der Bahner, die berücksichtigt werden müssten. (dpa)

 
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