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28.11.2016Transport + Logistik │ Ausland

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premiumInterview: Hollands Straßen sind oft verstopft

Christiaan van Luik ist Berater für Logistik und Supply Chain beim niederländischen Unternehmensverband Transport en Logistiek Nederland (TLN). Im Interview stellt er den Logistikstandort Niederlande näher vor.
Christian van Luik

Christiaan van Luik stellt den Logistikstandort Niederlande näher vor

Foto: TLN

Die Benelux-Staaten Belgien, Niederlande und Luxemburg sind wahre Gippfelstürmer, wenn es um die Logistik geht. Als unmittelbare Nachbarn von Deutschland sind sie als Wettbewerber wie auch als potenzieller Standort für hiesige Unternehmen interessant. Christiaan van Luik ist Berater für Logistik und Supply Chain beim niederländischen Unternehmensverband Transport en Logistiek Nederland (TLN). Im Interview mit der VerkehrsRundschau stellt er den Logistikstandort Niederlande genauer vor.

Verkehrsrundschau: Herr van Luik, wie würden Sie die Niederlande als Logistikstandort beschreiben?
Christiaan van Luik: Die Niederlande sind ein ausgezeichneter Ort für Logistik. Regelmäßig stehen die Niederlande ganz oben bei internationalen Logistik-Rankings. Aktuell zum Beispiel auf Platz eins im EU-Transport-Ranking, auf Platz vier im Logistic Performance Index der Weltbank, auf Platz eins im Prologis-Europa-Ranking für Logistikimmobilien.

Was ist das Erfolgsrezept?
Die Niederlande bieten viele gute Voraussetzungen. Regierung, Industrie und Forschung arbeiten zusammen. Das Innovationsklima ist gut: Viele internationale Start-Ups entscheiden sich für die Niederlande wegen des internationalen kulturellen Umfelds und der Nutzung digitaler Technologien. Es gibt fortschrittliche Zoll- und Handelserleichterungen dank der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Zoll und Industrie. Die Infrastruktur besteht aus einem weitgehend multimodalem Netz, die geographische Lage mit den international wichtigen Häfen Rotterdam für die Seefahrt und Amsterdam/Schiphol für die Luftfahrt ist ein Plus. Schließlich verfügen wir über eine hohe Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte für den Logistikbereich.

Gibt es Schwachstellen?
Die Straßen sind zu oft verstopft. Und die Staus nehmen zu, was eine Negativfolge des Wirtschaftswachstums ist.

Was macht die Politik konkret für die Logistik?
Die niederländische Regierung hat vor fünf Jahren eine „Top-Sektor-Politik gestartet. Logistik gehört zu den neun Sektoren, die dadurch besondere Aufmerksamkeit genießen. Logistik wird als wichtig für die niederländische Wirtschaft gewertet, weil sie andere Industrien entscheidend unterstützt.

Bevorzugt die Politik bestimmte Verkehrsträger - und wie sieht der Mix zurzeit aus?
Die Niederlande haben ein hervorragendes multimodales Netzwerk aus Straße, Schiene, Binnenschifffahrt und Short-Sea-Shipping. Die Straße ist der größte Verkehrsträger mit 40 bis 60 Prozent, abhängig von der Berechnung. Die Regierung regt die verstärkte Nutzung der Binnenschifffahrt und der Schiene an, um etwas gegen die Verstopfung der Straßen zu tun und den CO2-Aussstoß des Sektors zu verringern. In der Praxis bleibt es schwierig, diesen Wechsel von Straße auf Schiene und Wasser zu erreichen. Verfügbarkeit, Flexibilität, Schnelligkeit etc. sind die Argumente für die Straße.

Welche Rolle spielen deutsche Unternehmen im niederländischen Logistiksektor?
Viele deutsche Logistikunternehmen sind auch in den Niederlanden aktiv. DHL und DB Schenker führen die Liste der 100 größten Logistikdienstleister in den Niederlanden an. Auch viele andere deutsche Unternehmen sind in dieser Liste zu finden.

Wie sehen Sie die Zukunft der Logistik in den Niederlanden?
Der niederländische Logistik-Sektor verschiebt sich immer mehr vom Transport hin zu Warehousing und Supply Chain Management, verstärkt also den Mehrwert für die Güter, die durch unser Land befördert werden. Wegen des Wachstums des internationalen Handels und des E-Commerce wird die Bedeutung der Logistik in den kommenden Jahren zunehmen. Die Zukunft des niederländischen Logistiksektors sehe ich positiv. Aber wir stehen natürlich vor Herausforderungen. Dazu gehören auf jeden Fall die Digitalisierung des Sektors, Innovationen bei den Dienstleistungen, die Verbesserung der Umweltverträglichkeit und die Entstehung der „neuen Seidenstraße" von China bis nach Europa.”

Das Interview führte VerkehrsRundschau-Korrespondent Kay Wagner.

Mehr zum Thema Logistik in den Benelux-Staaten lesen Sie in der aktuellen VerkehrsRundschau 47/2016 vom 25. November 2016.

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