Hamburg: Feeder-Containermengen brechen weg

05.08.2009 15:45 Uhr

Kritik an Preispolitik des Elbe-Hafens: Zu den Nutznießern gehört Rotterdam

Hamburg. Der Hamburger Hafen verliert in einem Segment, das ihm bis Mitte 2008 besondere Zuwachsraten bescherte: der Feeder-Container-Schifffahrt. Nach einem Bericht der Mittwoch-Ausgabe des Hamburger Abendblattes droht dem größten deutschen Universalhafen in diesem Jahr der Verlust von rund einer Million TEU bei den Feeder-Verkehren. Zusammen mit den Verlusten in anderen Fahrtgebieten könnte der Hamburger Hafen bis Jahresende im schlimmsten Fall sogar auf sieben Millionen TEU zurückfallen. Das entspräche dem Niveau des Jahres 2004. Zur Erinnerung: 2008 hatte Hamburg 9,7 Millionen TEU umgeschlagen. Ein wesentlicher Grund für diese aktuelle Entwicklung sei die Weltwirtschaftskrise, die die Reedereien dazu zwingt, die Transportabläufe und Fahrpläne neu zu gestalten. Die Übersee-Carrier gingen verstärkt dazu über, Verkehrsmengen in Häfen zu konzentrieren, in denen sie entweder eigene Terminals betreiben oder an ihnen mit beteiligt sind. Daher gehört derzeit Rotterdam zu den Nutznießern der Umverteilung. Im Gegensatz zum Hamburger Hafen – und auch zum Hamburger Senat – hat der Rotterdamer Hafen schon sehr frühzeitig sogenannte „dedicated terminals“ zugelassen und auch gefördert, um auf diese Weise die Reedereien enger an den Hafen zu binden. Die Mengenkonzentration führt auch dazu, dass anstelle der kleineren Feeder-Frachter größere Schiffe für die Weiterverteilung der Container nach Skandinavien, den Baltischen Staaten und Russland eingesetzt werden. In den Häfen des Baltikums, aber auch in Russland – allen voran St. Petersburg – wurden in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um vor allem die Containerterminals für die Abfertigung von großen Containerschiffen umzubauen. Zum Nachteil gereicht Hamburg auch, so der Zeitungs-Bericht, dass der Hafen in der internationalen Reeder-Branche als „teuer“ angesehen wird, und zwar deutlich teurer die wichtigen Mitbewerber in den Westhäfen. Tatsächlich stiegen in diesem Jahr die Hafenentgelte in Hamburg wesentlich stärker als in den Westhäfen. Auch bei den Lotsenentgelten gab es erhebliche Preisaufschläge. Belastend wirke sich zudem die Preispolitik für die wichtigste künstliche Wasserstraße der Welt, den „Nord-Ostsee-Kanal“ (NOK) aus. Weil die Treibstoffpreis inzwischen – im Vergleich zum Frühjahr/Sommer 2008 – erheblich gesunken seien, rechnet es sich für die Reedereien wieder, den längeren Weg über Skagen in die Ostsee – oder aus der Ostsee heraus – zu fahren. Diese Verkehrsmengen fehlen damit auch dem Hamburger Hafen. Aktuellen Zahlen der zufolge lag die Anzahl der Schiffe, die den NOK im ersten Halbjahr passierten, mit 14.600 Frachtern um gut ein Drittel unter dem Vorjahresvergleichszeitraum. Hamburger Hafenunternehmen wie die HHLA haben inzwischen aus der stark rückläufigen Entwicklung bei den Ostsee-Feeder-Verkehren ihre Konsequenzen gezogen. So verkauft die HHLA ihren Container Terminal Lübeck und verabschiedet sich von ihrem Landbrücken-Konzept Hamburg- Lübeck. (eha)

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