20.08.2009 | Transport + Logistik

Halbjahresbilanz: Grube will mit der Deutschen Bahn in die Champions League

Frankfurt/Main. Es ist wie im Fußball: Was zählt sind die Ergebnisse. Daran wird ein Cheftrainer gemessen. Nicht an den schönen Auftritten in Freundschaftspielen im Vorfeld einer Saison. Und nicht an den Neueinkäufen.

Der neue Chef der Deutschen Bahn (DB), Rüdiger Grube, hat viele solcher Freundschaftsspiele: den Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei 500 Azubis der DB nächste Woche in Berlin zum Beispiel, oder die Einweihung des Bahnforschungszentrum zusammen mit Kanzlerkandidat Franz-Walter Steinmeier (SPD). Hier muss man noch nicht zeigen, was man wirklich kann. Denn diese Auftritte sind nur Vorgeplänkel. „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, lautet einer dieser Fußballerphrasen. Übertragen auf Grube heißt das: Die Wahrheit sind die wirtschaftlichen Ergebnisse des DB-Konzerns.

Deshalb war die heutige Halbjahres-Pressekonferenz, wenn man so will, seine erste Bewährungsprobe. Klar, in seiner 112 Tage währenden Amtszeit sind die Möglichkeiten eines Vorstandsvorsitzenden begrenzt. Erst recht in einer Zeit, in der die Wirtschaft sich in der schwersten Rezession der Nachkriegsjahre befindet. Trotzdem: Solch eine Bilanzpressekonferenz ist immer auch ein Fingerzeig, wie es weitergeht mit einem Unternehmen.

Der einstige Gewinnbringer Logistik schwächelt
Zunächst absolvierte Grube die wenig angenehme Pflicht in Form der Verkündigung der Halbjahreszahlen 2009. Danach bekommt auch die Bahn die Krise voll zu spüren, allen voran der Logistikbereich. So ist die Schienengüterverkehr die einzige Sparte im Konzern, die mit 121 Millionen Euro in den roten Zahlen steht. Im letzten Halbjahr war DB Schenker Rail mit einem operativen Ergebnis in Höhe von plus 209 Millionen Euro noch eine große Stütze gewesen. Aber auch DB Schenker Logistics hat kräftig Federn lassen müssen. Das operative Ergebnis näherte sich nach 178 Millionen Euro (erstes Halbjahr 2008) mit 37 Millionen Euro der Nulllinie. Damit waren die beiden Geschäftsfelder für 63 Prozent des Gewinneinbruchs im DB-Konzern verantwortlich. Bezogen auf die Leistungsentwicklung sagte Grube: „In beiden Bereichen reden wir von Rückgängen von deutlich über 20 Prozent, in Teilbereichen sogar bis zu 30 Prozent.“

Ursache sind die verminderten Aktivitäten der verladenden Wirtschaft. „Die Produktion in den für den Schienengüterverkehr wichtigen Sektoren Rohstahl, Automobil und Chemie lag im ersten Halbjahr zwischen 24 und 43 Prozent unter Vorjahr“, klagte Grube. Die Verkehrsleistung auf der Schiene ist von Januar bis Juni 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,3 Prozent eingebrochen. Der Bereich Transport und Logistik sei insgesamt „vom drastischen Rückgang des Welthandels“ stark betroffen. Nicht zuletzt aufgrund des Preisverfalls verzeichnete DB Schenker Logistics bei See- und Luftfracht Umsatzerlösrückgänge „von rund 29 Prozent“. Für den Schienengüterverkehr bezifferte DB-Finanzvorstand Diethelm Sack den Preisrückgang im ersten Halbjahr auf 2,5 bis 30 Prozent.

Eisernes Sparen für mehr Gewinn in 2013
Die Frage ist, wie Grube aus diesem Tal wieder herauskommen will. Zunächst baute er vor und sagte, dass es lange nicht so schnell bergauf gehe wie es bergab ging: „Ich warne davor zu glauben, die Weltwirtschaftskrise sei bereits überstanden“. Sein Ziel sei es, innerhalb von vier Jahren wieder das Niveau der Jahre 20008/2009 zu erreichen.

Dazu soll das Sparprogramm „React 09“ beitragen. „Damit wollen wir bis 2013 unser Ebit nachhaltig um insgesamt zwei Milliarden Euro verbessern“, sagte Grube. 80 Prozent davon soll über Kostensenkungen realisiert werden, 20 Prozent über zusätzliche Umsätze. Überraschend: Der große Verlustbringer Schienengüterverkehr ist kurzfristig nur mit einem Ergebnisbeitrag von 200 Millionen Euro eingeplant, mittelfristig sollen es 300 Millionen sein.

Grube machte deutlich, dass die Zeiten des Aufkaufs neuer Firmen zunächst vorbei seien. „Wir wollen unser Ergebnis um 2 Milliarden Euro verbessern. Daher steht die Restrukturierung im Mittelpunkt und sind wir derzeit nicht an Übernahmen interessiert“, sagte Grube. Schlechte Nachrichten für die Expansionsbestrebungen im europäischen Schienengüterverkehr und bei der global tätigen Logistiksparte DB Schenker Logistics.

Andererseits machte Grube unmissverständlich deutlich, dass er nicht im Traum daran denkt, DB Schenker Logistics abzustoßen, wie es immer wieder auch viele der Wettbewerber im Logistikmarkt fordern. „Ein Unternehmen, in dem keine Internationalisierung stattfindet, werde ich nicht führen. Dafür bin ich nicht angetreten.“ Auch deshalb sei er langfristig weiterhin für einen Börsengang, da er nicht davon ausgehe, dass der Staat die für eine Expansion notwendigen Finanzmittel zur Verfügung stellt.

Eine Aussage, die deutlich machte, wohin Grube als oberster Chef die DB und damit auch die Logistiksparte auf Dauer führen will. Die deutsche Meisterschaft reicht ihm nicht aus, es soll schon der Gewinn der internationalen Champion League sein. (cd)

 
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