23.12.2008 |

Hafen Zeebrügge: Neufahrzeug-Umschlag bricht ein

Zeebrügge. Erstmals seit mehr als zehn Jahren wird der flämische Küstenhafen Zeebrügge beim Neufahrzeug-Umschlag mit einem Ladungsmengenrückgang konfrontiert. Das musste Joachim Coens, Vorstandsvorsitzender der Zeebrügger Hafengengesellschaft MBZ, jetzt bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen für 2008 einräumen. Danach werden bis Jahresende rund 2,060 Millionen Fahrzeuge über den zweitgrößten belgischen Seehafen ver- beziehungsweise entladen. Das entspricht einem Rückgang um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damals gingen noch 2,2 Millionen Fahrzeuge über die Kaikanten (plus 14,8 Prozent gegenüber 2006). Trotz des Mengenrückgangs bleibt Zeebrügge Europas größter Autoumschlag-Hafen, da Bremerhaven 2008 voraussichtlich knapp unter die Grenze von zwei Millionen Neufahrzeugen rutschen wird.

Der Gesamthafenumschlag stagnierte mit 42 Millionen Tonnen auf dem Vorjahresniveau. Das letzte Quartal 2008 sei, ausgelöst durch die weltweite Finanzmarktkrise und konjunkturelle Abkühlung auch für den Hafen Zeebrügge „schwierig“ gewesen, räumte Coens ein. Für 2009 sei es ausgesprochen schwierig, eine verbindliche Einschätzung abzugeben. „Allerdings investieren die ortsansässigen Unternehmen weiter auf hohem Niveau in den Neu- und Ausbau sowie die Modernisierung ihrer Hafenanlagen“, stellte Coens fest. Das sei ein untrüglicher Beweis in das ungebrochene Vertrauen in ein weiteres Wachstum des Hafens.

Das macht Coens vor allem im Containersektor aus. Mit 2,2 Millionen Standardcontainer (TEU) fällt das Wachstum mit einem Plus von 8,7 Prozent zwar deutlich geringer aus als 2007 (plus 24 Prozent), doch zeigte sich Coens angesichts der erschwerten Rahmenbedingungen mit dem Erreichten zufrieden. Er sieht Zeebrügge im Containersegment innerhalb der Hamburg-Le Havre-Range mittel- und langfristig auf der Gewinnerseite. So werde sehr gute nautische Erreichbarkeit auch für die derzeit größten Containerschiffe der Welt ein großer Trumpf im internationalen Hafenwettbewerb sein.

Coens zufolge gingen die Reedereien derzeit im großen Stil dazu über, ihre Containerschiffs-Tonnage durchzutauschen. Heißt: Großcontainerschiffe mit 8500 TEU und darüber hinaus ersetzen kleinere Tonnage. Auf diese Weise können die Transportkosten pro Container noch einmal deutlich gesenkt werden. Schon jetzt liefen diese Containerriesen den Tiefseehafen Zeebrügge regelmäßig an.

Erfreut zeigte sich Coens auch über die deutliche Ausweitung des Feeder-Netzwerkes. Zeebrügge sei damit auf einem guten Weg hin zu einem führenden europäischen Feeder-Hub.

Einen empfindlichen Dämpfer erlitt Zeebrügge beim Ro/Ro-Verkehr. Bestimmend für diese Entwicklung war der Konjunktureinbruch in Großbritannien, das für Zeebrügge eine zentrale Rolle als Ziel- und Quellgebiet für Warenverkehre ist. Unterm Strich entfielen auf den Ro/Ro-Sektor gut 11,8 Millionen Tonnen, ein Minus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zur Erinnerung: 2007 kam der flämische Küstenhafen auf 13 Millionen Tonnen Ro/Ro-Ladung (plus 6,5 Prozent).

Das Massengutaufkommen erbrachte für den Flüssiggutsektor ein Plus von sechs Prozent auf 6,2 Millionen sowie einen Rückgang von 2,9 Prozent auf rund zwei Millionen Tonnen beim trockenem Massengut. Das sonstige Stückgut kam auf gut 0,9 Millionen Tonnen. (eha)

 
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(Foto: Hafen Zeebrügge)

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