Rotterdam. Der Rotterdamer Hafen stellt sich für 2009 auf einen Ladungsmengenrückgang von rund fünf Prozent ein. „Es wäre schön, wenn wir es schaffen könnten, das Paket von 400 Millionen Tonnen weiter halten zu können“, sagte Hans Smits, Generaldirektor des Hafenbetrieb Rotterdam (HbR), in der Maasmetropole bei der Präsentation der vorläufigen Zahlen für 2008. Für das Berichtsjahr zeigte sich Smits mit dem Erreichten „sehr zufrieden“. Mit rund 420 Millionen Tonnen konnte sich der größte europäische Seehafen um gut 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbessern. Bis in den September hinein habe sich der Umschlag sehr erfreulich entwickelt. Als Folge der sich schnell entfaltenden, weltweiten Finanzmarktkrise geriet dann der Umschlag aber schnell unter Druck. Der Massengutbereich bleibt für Rotterdam die tragende Säule des Seegüterumschlags. Trockene Bulkgüter (Greifer- und Sauggüter) brachten es auf gut 94 Millionen Tonnen – ein Plus von gut vier Prozent gegenüber 2007. Für das laufende Jahr wird jedoch gerade der Massengutbereich Federn lassen, erwartet Smits. Dabei bekommt es Rotterdam mit einer regelrechten Kettenreaktion zu tun. Auf die einbrechende Autokonjunktur reagiert die für sie als Zulieferer auftretende Stahlindustrie mit der Stilllegung von Hochofenkapazitäten. Damit geht der Bedarf an Eisenerz und Koks sofort zurück. So habe Arcelor Mittal bereits vier Schmelzöfen zeitweilig außer Betrieb genommen. Folge: 6,5 Millionen Tonnen Erz, das sonst über Rotterdam bezogen wird, entfallen damit. Dem HbR lägen Berichte vor, wonach die Stilllegung von Hochöfen bei anderen Stahlkochern den Wegfall weiterer drei Millionen Tonnen über Rotterdam bezogenes Erz nach sich zögen. Smits: „Wir gehen für 2009 mit einem Rückgang des Erzumschlags von gut 20 Prozent aus.“ Im Flüssiggutbereich gingen im Berichtszeitraum rund 194 Millionen Tonnen über die Kaikanten – ein Plus von gut 3,5 Prozent gegenüber 2007. Der Löwenanteil entfiel dabei auf Rohöl, von dem in Rotterdam rund 100 Millionen Tonnen gelöscht wurden (plus drei Prozent). Der Ölumschlag erwies sich 2008 erneut als guter Konjunkturindikator. Bis zum dritten Quartal verlief alles im Plusbereich, danach knickte die Kurve ab. Der Stückgutsektor kam 2008 auf gut 133 Millionen Tonnen – ein Plus von gut einem Prozent. Mit gut 108 Millionen Tonnen (plus 2,5 Prozent) entfiel die Masse auf den Containersektor. Auf Standardcontainer (TEU)-Grundlage gingen im Berichtszeitraum rund 10,8 Millionen TEU über die Kaikanten – und damit praktisch so viel Standardcontainer wie im Jahr zuvor. Das Umschlagergebnis im Containersektor wurde vor allem durch die starken Mengenverluste im europäischen Kurzstreckenseeverkehr mit Großbritannien, Irland und Island, aber auch durch Rückgang im Asien-Europa-Trade bestimmt. Dabei hatte sich gerade der Shortsea-Verkehr in den letzten Jahren sehr erfolgreich entwickelt. Ein kleiner Trost: Die Containerverkehre mit Nord- und Südamerika legten über das Jahr hinweg mit gut neun Prozent auf TEU-Grundlage zu. Unter Druck standen 2008 auch der Ro/Ro/-Sektor sowie der Bereich konventionelles Stückgut. Den Hafenunternehmen gelang es bislang noch nicht, die Folge des Ende 2007 eingestellten Lash-Verkehres – rund 700 000 Tonnen Ladung – auszugleichen. Auch wenn sich der HbR für 2009 auf ein schwieriges Jahr einstellt, halten Hafenverwaltung und die private Hafenwirtschaft an ihrem ehrgeizigen Investitionskurs fest. So will der HbR bis 2020 rund vier Milliarden Euro ausgeben, wobei der Schwerpunkt im Bau der neuen Maasebene II liegt, deren Flächen ab 2013 schrittweise zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Hafenwirtschaft werde, so Smits, weitere zehn Milliarden Euro investieren. Das Bauspektrum umfasst Terminals für den Umschlag von Eisenerzeugnissen bis hin zu LNG. (eha)
Hafen Rotterdam: 2008 war noch gut, doch 2009 wird schwierig
Mit einem Umschlag von 420 Millionen Tonnen legt Europas größter Hafen bestes Ergebnis der Geschichte vor