08.06.2009 |

Hafen Hamburg setzt Schiffe unter Strom

Hamburg. Landstrom statt Bordstrom. Eine solche Alternative wird sich in wenigen Jahren im Hamburger Hafen den Reedern bieten. Den Anfang sollte dabei der Kreuzschifffahrts-Bereich machen. Eine Einbeziehung des Frachtschiff-Verkehrs könnte in einem zweiten Schritt folgen.

Für den Industrieverband Hamburg (IVH) ist es technisch machbar, eine Landstrom-Versorgung von Passagierschiffen am künftigen Kreuzfahrtterminal in der Hamburger Hafencity einzurichten. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, die der Industrieverband Hamburg (IVH) erstellen ließ und heute gemeinsam mit der Hafencity Hamburg GmbH, der Siemens AG (Region Hanse), dem Energieversorger Vattenfall sowie der Germanischen Lloyd erstellt wurde.

In einem ersten Schritt würde es um zwei Liegeplätze für Kreuzfahrtschiffe gehen, ausreichend für die Aufnahme eines Passagierschiffes wie der in Hamburg so hoch geschätzten Queen Mary II und eines kleineren Kreuzfahrtschiffes. Die Gesamtkosten für die Einrichtung lägen bei „eher konservativen“ Schätzungen bei rund 24 Millionen Euro. Bei der Kostenkalkulation geht der IVH von 60 bis 80 Kreuzschifffahrts-Anläufen in Hamburg im Jahr aus.

Für Frank Horch, den Vorsitzenden der IVH, handelt es sich bei dem Konzept um „eine maßgeschneiderte Lösung“ für diesen einen Standort, nicht aber um „eine Blaupause“ für alle möglichen Standorte und Terminals innerhalb des größten deutschen Universalhafens. Für Horch soll die Machbarkeitsstudie einen entscheidenden Beitrag zur Versachlichung der politischen Diskussion leisten. Die Notwendigkeit, ein solches Landstromversorgungs-Konzept am Kreuzfahrtterminal in der Hafencity umzusetzen, ergibt sich vor allem aus der besonderen Nähe zur Wohnbebauung. Denn ab 2010 gelten EU-Weit neue Grenzwerte für Luftschadstoffe wie Stickoxide. Damit drohten mittel- bis langfristig Grenzwertüberschreitungen, wenn nicht gegengesteuert wird.

Eine Landstromversorgung in Hamburg könnte frühestens 2010/ 2011 zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass erst für diese Zeit ein international verbindlicher Standard für so genannte Mittelspannungslandanschlüsse zur Verfügung stehen könnte. Der IVH hält es vor allem aus Gründen des Standorte-Wettbewerbs in Hamburg für unverzichtbar, diesen Standard abzuwarten. „Alleingänge“ würden Hamburg schaden, warnte Horch.

Auch das ist für den IVH nicht akzeptabel: Eine Verpflichtung für Hafenkunden, diese Landstromversorgung zu nutzen. Statt dessen sollte ein Anreizssystem entwickelt werden, zum Beispiel über die Vergabe von Liegeplätzen zu besonders interessanten Zeiten.

Die für die Landstromversorgung benötigte Technik ist heute bereits „verfügbar, sie ist geprüft und sie ist zertifiziert“, betonte Torsten Seemann von Siemens AG, Region Hanse. Er verwies zugleich auf die positiven Erfahrungen mit einer Landstromversorgungs-Einrichtung in Lübeck, die im Sommer 2008 ans Netz ging und bei deren Verwirklichung Siemens mitwirkte.

Auch für den GL ist das Thema Landstrom beherrschbar, ergänzte Peter Leveringhaus, Direktor Maritime Systems & Components. „Die technische Herausforderung“ bestehe darin, „ die Frequenzanpassung an das individuelle Bordnetz anzupassen“.

Das ist auch ein wesentlicher Grund für die relativ hohen Kosten der Landstromversorgung, wie sie in Hamburg realisiert werden könnte, setzte Erik Landeck, Geschäftsführer Vattenfall Europe Distribution, hinzu. So müsse in der HafenCity ein Umspannwerke gebaut werden, in dem die Frequenz des in Europa üblichen Stromnetzes an Land – 50 Hertz (Hz) – auf den auf Kreuzfahrtschiffen üblichen höheren Wert von 60 Hz gebracht wird. Keine Probleme sieht Landeck in der Gewährleistung der Versorgungssicherheit der Schiffe, auch wenn ein Schiff wie die Queen Mary II dem Strombedarf einer Kleinstadt mit gut 15.000 Haushalten entspricht.

Begrüßt wird die Machbarkeitsstudie von der Hamburger Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). Jetzt gelte es, „zusammen mit anderen Hafenstädten insbesondere die technischen und finanziellen Rahmenbedingungen für einen Landstromanschluss zu vereinheitlichen“, betonte Hamburgs Umweltstaatsrat Christian Maaß. (eha)

 
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