18.05.2009 |

Hafen Hamburg: Einbrüche im Fernost-Verkehr

Hamburg. Der Hamburger Hafen muss sich auf absehbare Zeit mit kleineren Brötchen zufrieden geben, nachdem die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auch den größten deutschen Universalhafen voll erwischt haben. Mit einem Gesamtumschlag von rund 27,3 Millionen Tonnen im ersten Quartal liegt das Ergebnis um knapp 22 Prozent unter dem Vorjahresniveau, berichtete Claudia Roller, Vorstand bei der Hafen Hamburg Marketing (HHM), am Montag in Hamburg anlässlich der Vorlage der Zahlen für den ersten drei Monate 2009. Der Containerumschlag, eine der dynamischsten Segmente der vergangenen Jahre, lag mit 1,9 Millionen Standardcontainern (TEU) um mehr als 24 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Mengenrückgänge schlossen dabei sowohl die Ausfuhr- als auch die Importseite mit ein. Die Exporte lagen mit 11,5 Millionen Tonnen um gut 20,4 Prozent, die Importe mit 15,8 Millionen Tonnen um knapp 22,6 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Mit Ausnahme der so genannten Sauggüter befanden sich alle anderen Güterarten im Abwärtssog. Der Stückgutumschlag lag mit 18,5 Millionen Tonnen um 26,2 Prozent unter dem Vorjahresstand. Einzig das konventionelle Stückgut – Projektladung und Schwergüter – verbesserte sich. „59.000 Tonnen mehr wertschöpfungsintensive Projektladung und Schwergut bereiten Freude“, kommentierte Roller. Aus Gesprächen mit der Industrie und dem Handel wisse man, dass auch in den kommenden Monaten mit bedeutenden Verladungen über Hamburg zu rechnen sei. Beim Massengut fallen Licht und Schatten zusammen. Während Erz und Kohle im Berichtszeitraum um knapp 36 Prozent zurückgingen, legten Flüssigladung um 8,2 Prozent und Sauggüter wie Getreide und Futtermittel um mehr als 32 Prozent zu.

Beim Hamburger Getreide- und Futtermittel-Umschlagbetrieb sowie Futtermittelhersteller Habema laufen die Räder seit Jahresbeginn auf Hochtouren, bestätigt Jes-Christian Hansen, kaufmännischer Leiter, gegenüber der VerkehrsRundschau: „Wir profitieren von den sehr guten Getreideernten aus Nord- und Mitteldeutschland sowie Tschechien im vergangenen Jahr. Allein unser Betrieb wird im laufenden Monat Mai rund 150.000 Tonnen Getreide verladen.“ Die Hamburger Spezialunternehmen hätten zudem in den letzten Jahren massiv in hochwertigen Lagerraum investiert, was ihnen jetzt zugute komme.

Hinsichtlich der Gütermengenentwicklung in den jeweiligen Fahrtgebieten leidet Hamburg vor allem in jenen Destinationen, die den Elbe-Hafen bislang stark gemacht haben. „Die Ladungsmengenrückgänge in Fernost und hier vor allem China haben richtig weh getan“, Roller. Doch auch in den anderen Trades lief es in den ersten drei Monaten dieses Jahres nicht sehr gut. Mit einiger Sorge verfolgt man bei HHM die Einbußen im Ostseeraum, sozusagen dem Hamburger Hausmarkt. Die Baltischen Staaten, Polen und auch Russland habe die Finanzmarktkrise mit voller Wucht getroffen, womit entsprechende Nachfrage wegfalle. Roller kündigte für die kommenden Monate eine intensive Marktbearbeitung, unter anderem mit Hafenabenden und Workshops, für dieses Hamburger Kerngebiet an. Sehr wohl beobachte man, wie zum Beispiel die Westhäfen – allen voran Rotterdam – ihre Aktivitäten in diesem Teil Europas intensivierten.

Zu einer Einschätzung über die Umschlagentwicklung der kommenden Monate sieht sich die HHM-Fachfrau zum gegenwärtigen Zeitpunkt außerstande. Dennoch habe sie aus den vielen Gesprächen der vergangenen Wochen – auch auf der Fachmesse in München – den Eindruck gewonnen, dass es so etwas „wie ein Lichtlein am Horizont“ gäbe.

Für die langfristige Absicherung der Marktstellung des Hamburger Hafens sei es unerlässlich, dass die Elb-Fahrrinnen-Anpassung endlich in Angriff genommen werden kann. Tatsache sei, dass die Zahl der Großcontainerschiffe weiter zunehme. Für 2009 werde Hamburg mit bis zu 90 Anläufen von Frachtern mit mehr als 10.000 TEU zu rechnen haben – eine Verdreifachung gegenüber. (eha)

 
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