Amsterdam. Der Hafen Amsterdam muss sich für das noch recht junge Geschäftsfeld Containerumschlag auf harte Zeiten einstellen. In den ersten drei Monaten verlor die Nummer zwei unter den niederländischen Seehäfen beim Containerumschlag auf Standardcontainer (TEU)-Basis gut 17,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum, teilte der Städtische Hafenbetrieb Amsterdam (SHA) am Donnerstag mit. Aktuell gingen noch 827.234 TEU über die Kaikante. Auf der Tonnen-Grundlage beträgt der Rückgang sogar 28 Prozent auf 0,7 Millionen Tonnen. Vor allem die starken Ladungsmengenverluste im Fernost-Europa-Verkehr setzten Amsterdam stark zu. Noch bis Jahresmitte 2008 hatte sich Amsterdam beim Containerumschlag noch auf der Überholspur befunden. Erst Mitte 2005 hatte der Hafen den Einstieg in das Containersegment geschafft. Seitdem stiegen die Umschlagkurven rasant, nachdem verschiedene Reedereien den Hafenstandort für sich „neu“ entdeckt hatten. So profitierte Amsterdam von reichlich freien Umschlagkapazitäten sowie einem stetig verbesserten Hinterland-Transport-Angebot. Reedereien verlagerten Ladungsmengen und Dienste aus anderen Häfen nach Amsterdam. Dieser Trend scheint jetzt zu kippen. Vor dem Hintergrund stark schrumpfender Ladungsmengen – gerade im Fernost-Europa-Verkehr – stellen alle namhaften Container-Reedereien ihre Linienverkehr auf den Prüfstand. Die Fahrpläne werden ausgedünnt und Dienste auf weniger Häfen konzentriert. Erst jetzt kündigte das Linien-Konsortium „Grand Alliance“, zu dem auch die deutsche Reederei Hapag-Lloyd gehört, an einen ihrer Asien-Dienste von Amsterdam abzuziehen und nach Rotterdam zu verlegen. Rückläufig sind die Umschlagzahlen in Amsterdam allerdings nicht in allen Bereichen. Unterm Strich kann die Hafenverwaltung sogar noch ein Umschlagplus von sieben Prozent auf 19,3 Millionen Tonnen ausweisen. Die Zuwächse stellten sich vor allem bei bestimmten Massengütern ein. So erhöhte sich das Flüssigladungs-Aufkommen, vor allem Öl und Ölerzeugnisse, im aktuellen Berichtszeitraum um 30 Prozent auf 9,7 Millionen Tonnen. Das Greifergut Kohlen schlug mit 4,4 Millionen Tonnen zu Buche (plus 5,5 Prozent), eine Folge der anhaltend hohen Nachfrage deutscher Energieerzeuger nach Importkohle. Der Bereich trockenes Massengut, zu dem auch Kohlen gehören, weist für den Dreimonatszeitraum allerdings ein Minus von 7,1 Prozent auf 8,3 Millionen Tonnen aus. (eha)
Hafen Amsterdam: Massiver Einbruch im Containersegment
Kostendruck der Containerreedereien lässt Seehafen aus den Fahrplänen fliegen