Berlin/Königswinter. Die Lokführergewerkschaft GDL geht überraschend mit einer niedrigeren Einkommensforderung in die Tarifrunde 2009 als Transnet und GDBA. Die GDL verlangt 6,5 Prozent mehr Geld sowie deutlich bessere Arbeitszeitregelungen. Das beschlossen Hauptvorstand und Tarifkommission am Montag in einer Sitzung in Königswinter bei Bonn. Die beiden größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA übergaben ihre Forderung von 10 Prozent mehr Geld am Montag in Berlin offiziell an den Bahn-Vorstand. In der Tarifrunde 2007/2008 war die GDL mit deutlich höheren Forderungen als die Konkurrenten angetreten und setzte mit Streiks ein Einkommensplus für die Lokführer von 11 Prozent durch. Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky sagte zu dem Beschluss: "Der DB-Konzern verkündet landauf, landab seinen hervorragenden wirtschaftlichen Erfolg. Daran müssen auch Lokomotivführer und Zugbegleiter partizipieren." Die GDL berücksichtige in ihrer Forderung allerdings auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Alle drei Gewerkschaften treten dafür ein, die insgesamt rund 150.000 tarifgebundenen Beschäftigten im Schicht- und Wechseldienst zu entlasten. Transnet und GDBA fordern, dass jeder Bahner künftig mindestens einmal im Monat von Freitagnachmittag bis Montagmorgen durchgehend frei hat. In der Regel sollten Dienstbeginn und Dienstende nicht in die Nachtstunden fallen. Die GDL verlangt, die Arbeitszeit dürfe künftig zwölf Stunden nicht überschreiten. Heute arbeite das Fahrpersonal bis zu 14 Stunden. Für die Arbeitszeit zwischen 22.00 und 6.00 Uhr müsse von der ersten Stunde an ein zwölfprozentiger Arbeitszeitzuschlag gewährt werden. Noch ungeklärt ist, ob die drei Gewerkschaften sich in den Verhandlungen abstimmen werden. Transnet und GDBA erklärten sich bereit, in der Tarifrunde mit der GDL zusammenzuarbeiten. "Es wäre der richtige Weg, sich bei den Tarifforderungen anzunähern", sagte Kirchner. Dazu müssten aber noch Gespräche geführt werden. Der GDBA-Vize-Vorsitzende Heinz Fuhrmann erwartet eine harte Tarifrunde. Wenn die Bahn mit Horrormeldungen Verunsicherung schaffen wolle, werde in wenigen Verhandlungsrunden kein Ergebnis zu erreichen sein, sagte er in Berlin. Er bezog sich auf Äußerungen von Bahn- Vorstandschef Hartmut Mehdorn, wonach der Güterverkehr der Bahn wegen der Konjunkturflaute vor einem Einbruch steht. Inzwischen hat die Bahn wegen mangelnder Aufträge bereits 8000 Güterwaggons stillgelegt, rund acht Prozent ihrer Kapazität, wie aus einem Brief an die Mitarbeiter der Güterbahn Railion hervorgeht. Der Transnet-Vorsitzende Alexander Kirchner nannte diesen Rückgang eine «nur vorübergehende Erscheinung». Auf den Personenverkehr habe die Wirtschaftskrise bislang kaum Auswirkungen. Deshalb bleibe es bei der 10-Prozent-Forderung der Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA. Anders als von der Bahn gewünscht wollen die Gewerkschaften die Verhandlungen nicht schon im Dezember, sondern erst im Januar aufnehmen. Der Entgelt-Tarifvertrag läuft Ende Januar aus. Dann endet auch die Friedenspflicht. (dpa)
GDL fordert weniger Lohn als Transnet und GDBA
Lokführergewerkschaft verlangt 6,5 Prozent mehr Geld sowie deutlich bessere Arbeitszeitregelungen