29.01.2009 | Transport + Logistik

Eurogate-Gruppe: Reedereien stellen Liniendienste auf den Prüfstand

Hamburg. Der in Folge der Finanzmarktkrise ausgelöste Transportmengenrückgang im internationalen Seeverkehr treibt die Umstrukturierungen der Reedereien und der von ihnen betriebenen Linienverkehre voran – und das hat direkte Auswirkungen auf die Häfen. Darauf wies Emanuel Schiffer, Vorsitzender Gruppengeschäftsführung der Eurogate-Gruppe aus Bremen/Hamburg, heute bei der Vorlage der Umschlagzahlen für das von der Hafen-Gruppe europaweit betriebenen Terminalnetzwerkes hin. „ Die Reedereien reduzieren ihre Transportkapazitäten, indem sie Containerschiffe auf Reede legen, Liniendienste einstellen beziehungsweise mit anderen Liniendiensten zusammenlegen. Diese Entwicklung macht sich mittlerweile nicht nur am Containerterminal in Hamburg, sondern verstärkt auch in Bremerhaven bemerkbar“, führte er weiter aus.

Für das gesamte Netzwerk weist das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Umschlag von 14,2 Millionen Standardcontainer (TEU) aus, ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber 2007. Schiffer : „Das ist ein neuer Rekord.“ Leistungsträger waren erneut die deutschen Terminalstandorte in Bremerhaven und Hamburg mit zusammen 8,2 Millionen TEU (plus 4,9 Prozent). So wurden an der Weser im Berichtsjahr rund 5,5 Millionen TEU (plus 12,4 Prozent) umgeschlagen, während es in Hamburg gut 2,7 Millionen TEU waren (minus 7,7 Prozent). Schiffer zufolge sei der Mengenrückgang auf den Terminals an der Elbe bereits seit Mitte 2008 messbar gewesen. „ Die Ladungsmengen der Fahrtrouten Fernost – Europa brachen nach und nach ein.“ Verschiedene Ereignisse in China hätten zudem dazu geführt, dass weniger Waren von und nach Europa transportiert wurden. Das sei ab November und Dezember 2008 deutlich spürbar gewesen.

Einen nicht unerheblichen Teil des Umschlagerfolgs in Bremerhaven 2008 führt Schiffer auch auf die Politik der so genannter „dedicated terminals“, also reederei-abhängiger Terminals, zurück. In der Seestadt betreibt das Unternehmen einen eigenen Terminal und wirkt sowohl am Maersk-gebundenen Terminal NTB als auch beim MSC-Gate über Beteiligungen mit. Schiffer weiter: „NTB legte um 12,1 Prozent zu, während es bei MSC Gate sogar 33,9 Prozent waren.“ Zum Jahresende 2008 habe die Wirtschaftskrise aber auch in Bremerhaven zunehmend Folgen gezeigt.

Das Italien-Engagement – über die italienische Beteiligung Contship Italia - verzeichnete „nur aufgrund der besonderen Entwicklung in Cagliari eine leicht rückläufige Umschlagsmenge“, so Schiffer. Hier kam die Gruppe auf insgesamt auf 5,7 Millionen TEU (minus 2,1 Prozent). Im Berichtsjahr wurden erstmals am Eurogate Tanger-Terminal in Marokko Boxen umgeschlagen, und zwar 64.000 TEU ab Oktober 2008.

Trotz der rückläufigen Umschlagmengen hält die Eurogate-Gruppe an ihren großen Ausbauvorhaben, die mehrheitlich bereits angeschoben wurden, fest, unterstrich Schiffer. Das seien neben dem Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven (Fertigstellung: Ende 2010/Anfang 2011) auch die Westerweiterung sowie der Ausbau des Liegeplatzes 3 in Hamburg. Schiffer: „Vorübergehend müssen wir uns jedoch wetterfest aufstellen, um die langfristigen Projekte nicht zu gefährden. Das bedeutet Kosteneinsparungen und Flexibilisierung der Beschäftigung. Kurzfristige Investitionen werden verschoben. Unsere Chancen müssen wir nutzen, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.“

Für das laufende Jahr stellt sich die Gruppe auf einen Umschlagrückgang im „einstelligen Prozentbereich“ ein. Schiffer: „Wir sind jedoch optimistisch, was die langfristige Weiterentwicklung der Containerverkehre betrifft.“ (eha)

 
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