17.11.2011 | Transport + Logistik

EU-Seehafenpolitik: Brüssel will mehr Transparenz

Hamburg. Die EU-Kommission strebt eine umfassende Neuordnung ihrer Seehafenpolitik an. Gleich drei Generaldirektionen (GD) befassen sich dabei mit unterschiedlichen Aufgabenschwerpunkten. Neben der GD Mobilität und Verkehr sind es die GD Wettbewerb sowie die GD Binnenmarkt. Einen ersten Überblick gab Dimitrios Theologitis, Referatsleiter Häfen und Binnenschifffahrt bei der GD Mobilität und Verkehr ,auf der Mitgliederversammlung des Zentralverbands der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in Hamburg.

So gut das europäische Hafensystem im Allgemeinen funktioniere, von einem Optimum sind die Häfen und die mit ihnen verbundenen Strukturen aus Sicht der EU-Kommission ein gutes Stück entfernt. Und das solle sich ändern, so das Bestreben der Brüsseler Behörde. Einen konkreten Ansatz zu Verbesserungen sieht die EU-Kommission beispielsweise bei der Arbeit der Zollverwaltungen im Zusammenhang mit dem Seeverkehr. Mittel- und längerfristig müsse die zolltechnische Abfertigung des Seeverkehrs genauso einfach sein wie sie heute bereits im innergemeinschaftlichen Güterkraftverkehr sei, betonte Theologitis.

Der GD Wettbewerb wiederum liegt die Neuordnung des Beihilfenwesens für die Seehäfen am Herzen. Hier gibt es aus Sicht der EU-Kommission einigen Klärungsbedarf mit dem Ziel, für gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen den Häfen zu sorgen. Bei der GD Binnenmarkt steht das Thema Dienstleistungskonzessionen zentral auf der Tagesordnung. Noch im Dezember diesen Jahres soll es dazu einen Richtlinienvorschlag geben, berichtete Theologitis. Dieser solle nicht nur die Häfen abdecken, sondern viele Branchen mit einschließen. Die GD Mobilität und Verkehr schließlich beschäftigt sich mit zusätzlichen Regelungen über Konzessionen im Hafenbereich.

Theologitis wies wiederholt darauf hin, dass die Brüsseler Behörde bei ihrer Arbeit auf einen intensiven Austausch mit der Seehafenverkehrswirtschaft, aber auch mit den nationalen Regierungen setzt. Er warb daher für eine Unterstützung der Branche, räumte aber ein, dass es in der Hafenindustrie als Folge der – am Ende gescheiterten – Initiativen der Vergangenheit (Port Package I und II) immer noch gewisse Vorbehalte gegen einen dritten Anlauf der Brüsseler Behörde gebe. Doch dieses Mal solle alles anders sein, versicherte er. Im Sommer 2012 wolle die Konferenz auf einer großen Konferenz unter Leitung von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas die Arbeitsergebnisse vorstellen.

Die EU braucht unbedingt ein starkes Hafennetzwerk

Der EU-Spitzenbeamte betonte wiederholt, wie sehr der EU-Kommission an einem leistungsstarken Seehafennetzwerk in der Gemeinschaft gelegen sei. Aktuell gäbe es in der EU mehr als 1200 Häfen, von kleinsten Umschlagplätze bis hin zu den großen Universalhäfen. Alle gemeinsam spielten eine ganz entscheidende Rolle für die Ver- und Entsorgung Europas mit Rohstoffen sowie Halb- und Fertigwaren. Damit leisteten sie einen wertvollen Beitrag für den Wohlstandserhalt der über 350 Millionen EU-Bürger. „Wir brauchen dafür alle Häfen in der EU", sagte er weiter. Über einen starken, über die Häfen gelenkten Seeverkehr werde zudem ein entscheidender Beitrag zum Umweltschutz geleistet, da das Seeschiff unterm Strich weiterhin als ein umweltfreundlicher Verkehrsträger zu betrachten sei. Als Arbeitgeber spielten die Häfen in der EU ebenfalls eine herausragend Rolle. Mit den Häfen seien mehr als 500.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze verbunden. Auch das gelte es dauerhaft zu sichern, unterstrich Theologitis.

Im Verlauf der sich an den Vortrag anschließenden, sehr regen Diskussion zeigte sich, dass es in der deutschen Seehafenverkehrswirtschaft ein spürbares Unbehagen gegen die Pläne der EU-Kommission im Seehafenbereich gibt. In verschiedenen Wortbeiträgen wurde auf die gescheiterten „Port Packages I und II" der Kommission hingewiesen.

Andere Hafenvertreter sprachen sich dafür aus, dass die EU-Kommission in den Häfen handeln müsse, in denen es offenkundige Missstände gäbe, zum Beispiel beim Marktzugang für Hafendienstleister oder völlig einem völlig intransparenten Hafenentgelt-System. Dennoch sicherten Spitzenvertreter des ZDS der EU-Kommission eine breite, konstruktive, aber auch kritische Unterstützung für die kommenden Monate zu. (eha) 

 
Anzeige
 

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

17.11.2011Artikelinformationen

Social Networking
Schlagworte
Bildnachweis
(Foto: VR/Eckhard-Herbert Arndt)

VerkehrsRundschau mobil

Gefahr/gut-Umfragegewinnspiel

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage zur IMO Erklärung teil.

Sichern Sie sich einen von drei BestChoice-Einkaufsgutscheinen im Wert von 50,-€, einlösbar bei 200 Partnern in über 25.000 Filialen.

[Jetzt teilnehmen]

Beliebteste Meldungen

Beliebteste Galerien

Nachwuchsinitiative

Hallo Zukunft!

VerkehrsRundschau, Trucker und Gefahr/gut vermitteln zwischen Schülern, Lehrern und Unternehmen für eine Zukunft in der Logistik [Mehr Infos über Ausbildung in der Logistik]

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 21.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Glastaxi meint: Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und...[mehr…]
  • 19.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Jürgen Auth meint: Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Transport + Logistik
    Gefährlicher Spatenstich für Bayerns Innenminister
    Deka 1803 meint: Was sagt uns dies: Von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man tunlichst die Finger...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Recht + Geld
    Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz für selbstständige Fahrer
    Thomas Flesch meint: Darf ich jetzt länger fahren?! Laut EU-Recht maximal 90 Stunden Lenkzeit in 2 Wochen und nach diesem...[mehr…]
  • 17.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    hans-ulrich Höfler meint: Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet,...[mehr…]

Twitter: vr_online

Der Twitter-Kanal der VerkehrsRundschau

vr_online auf Twitter abonnieren und unsere Redakteure halten Sie auf dem Laufenden - blitzschnell und kostenlos!
[Follow us!]

Fahrverbotskalender

Europäische Fahrverbote im Überblick

Unser Fahrverbotskalender gibt einen Überblick über die LKW-Fahrverbote in mehr als 25 europäischen Ländern. Der Kalender erscheint quartalsweise als Zugabe zur Printausgabe, er kann aber auch gesondert bezogen werden. Bestellen können Sie den Kalender außerhalb des Abos zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer unter 089/20 30 43 11 00 (Fax -2100) oder per Mail: vertriebsservice@springer.com.