27.01.2009 | Transport + Logistik

Erster Nadelstich im Bahn-Tarifkonflikt

Berlin. Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn setzen die Gewerkschaften den ersten Nadelstich. Bereits an diesem Donnerstag sollen Warnstreiks zusätzlichen Druck für die Verhandlungen aufbauen, wie die beiden großen Arbeitnehmerorganisationen Transnet und GDBA am Montag ankündigten. Fahrgäste quer durch die Republik müssen sich damit wieder auf Behinderungen einstellen – wann und wo, soll erst am Mittwoch bekanntgegeben werden. Zu den Aktionen der Marke „spürbar und steigerungsfähig“ seien Eisenbahner diverser Bereiche aufgerufen, hieß es jedoch schon. Für Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen – zuvor lange Jahre Transnet-Boss – erhöht sich die Betriebstemperatur bei der ersten Tarifrunde auf der anderen Seite.

Stoßrichtung der Arbeitsniederlegungen seien die festgefahrenen Verhandlungen beim Streitthema Arbeitszeiten, erklärten Transnet-Chef Alexander Kirchner und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Seit dem Auftakt der Gespräche am 14. Januar habe der bundeseigene Konzern dazu keine akzeptablen Angebote auf den Tisch gelegt. Dabei stehe die Planbarkeit des Einsatzes bei den Beschäftigten diesmal „ganz oben auf der Agenda“. Eine der wichtigsten Forderungen lautet denn auch, dass es mindestens zwölf freie Wochenenden im Jahr geben solle. In punkto Einkommen verlangen die Gewerkschaften zudem zehn Prozent mehr Geld für rund 130.000 Beschäftigte. Die Bahn hat bisher jeweils ein Prozent für 2009 und 2010 sowie Einmalzahlungen in Aussicht gestellt.

Auf der Arbeitgeberseite löste die Warnstreik-Ankündigung Kritik aus. „Die Kunden werden das nicht verstehen“, sagte ein Sprecher. Schließlich gebe es Fortschritte in den Gesprächen, und für Mittwoch, Donnerstag und Freitag seien die nächsten Verhandlungstermine schon vereinbart. Gleich zum Auftakt hatte Hansen ein Zeichen gesetzt und noch vor dem ersten Treffen ein Angebot verschickt, wofür sich Arbeitgeberdelegationen sonst gern einige Gesprächsrunden lang Zeit lassen. Der Bewegungsspielraum ist aber trotz glänzender Finanzzahlen 2008 eng begrenzt, lautet die Linie von Konzernchef Hartmut Mehdorn. Im Frachtverkehr schlägt die Wirtschaftsflaute bereits auf das Geschäft, mehr als.50 000 Güterwaggons wurden schon ausrangiert.

Dass Transnet und GDBA als erste zu Warnstreiks aufrufen, setzt aber auch ein Signal an die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL. Die kleinste der drei Arbeitnehmerorganisationen hatte der Bahn in der vorigen Runde eine beispiellose Tarifschlacht geliefert – auf ihr Konto ging auch der vorerst letzte Streik, nämlich eine dreitägige Protestwelle im Güter- und Personenverkehr im November 2007. Nun gibt sich die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die separat für 12.000 Kollegen verhandelt, erst einmal betont zurückhaltend. Ihre Lohnforderung ist mit 6,5 Prozent bescheidener. Und die bis Freitag terminierte dritte Verhandlungsrunde könne auch bis Samstag verlängert werden, meinte GDL-Chef Claus Weselsky. Erst danach sei es an der Zeit, notfalls die Gremien einzuberufen. „Es soll versucht werden, die Verhandlungen zu einem vernünftigen Ende zu bringen.“ (dpa)

 
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