03.03.2009 |

Ein Jahr Umweltzonen

Stuttgart. Trotz anhaltender Kritik hat Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) ein Jahr nach Einführung der ersten Umweltzonen eine positive Bilanz gezogen. „Der Ausstoß von Feinstaub durch Fahrzeuge ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen“, heißt es in dem Papier, das Gönner am Mittwoch vorstellen will und das der Deutschen Presse-Agentur dpa in Stuttgart vorliegt. Außerdem sei die Umsetzung der Umweltzonen „weitgehend reibungslos erfolgt und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ist durchaus zufriedenstellend“.

Welchen Anteil die Umweltzonen und die Verbannung von Fahrzeugen mit veralteter Abgas-Technik aus den Zentren am Rückgang hat, kann die Ministerin jedoch nicht sagen. An Sinn und Zweck der Umweltzonen gibt es deshalb auch immer wieder Zweifel. So hatten sowohl die Oberbürgermeister von Heilbronn und Leonberg als auch Städtetagspräsident Ivo Gönner aus Ulm erklärt, bürokratischer Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis. Waren es im vergangenen Jahr noch neun Städte – darunter auch Stuttgart und Mannheim – ,so sind es seit Januar 15 Kommunen mit einer Umweltzone. Dort dürfen nur noch Fahrzeuge unterwegs sein, die eine Plakette an der Windschutzscheibe haben.

Gönner verweist in ihrer Bilanz auf eine Modellrechnung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, nach der allein in Stuttgart der Ausstoß von gesundheitsschädlichem Feinstaub durch Autoabgase um etwa zwölf Tonnen, also um 15 Prozent, zurückgegangen sein müsse. Die Ministerin räumt aber ein, dass es vor allem auch dem milden Winter 2008 zu verdanken sei, dass an 22 von 29 straßennahen Messstellen die Feinstaubbelastung der Luft rückläufig sei. acht Messstellen verstießen erneut gegen EU-Vorgaben, 2007 waren es noch 14.

Dennoch gibt es laut Umweltministerin noch viel zu tun. „Es gibt trotz der Verbesserungen keinen Anlass zur Entwarnung.“ Dies erkenne man auch daran, dass an vielen Messstationen in den ersten beiden Monaten dieses Jahres die Grenzwerte überschritten wurden. Allein am Stuttgarter Neckartor sei bis Ende Februar wegen des strengen Winters die Grenze von 50 Mikrogramm Feinstaub bereits dreimal gerissen worden. „Wir können am Schadstoffausstoß ansetzen und so auch viel erreichen. Die am Ende stehende Schadstoffbelastung wird jedoch auch von Faktoren beeinflusst, auf die es keinen unmittelbaren Einfluss gibt“, erklärt die Ministerin.

Feinstaub stammt unter anderem aus Dieselfahrzeugen, Haushalten und der Industrie. Die kleinen Partikel sind für die menschliche Gesundheit deshalb gefährlich, weil sie in Nase und Rachen nicht hängen bleiben, sondern ungehindert in die Lunge gelangen. Dort können sie Entzündungen, Asthma und sogar Krebs auslösen. (dpa)

 
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