Istanbul/Bonn. Deutsche-Post-Vorstandschef Frank Appel ist zu Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über Verbesserungen bei der in die Kritik geratene Briefzustellung bereit. Die Deutsche Post wolle mit der angekündigten befristeten Einstellung von rund 1000 Briefträgern nicht nur Engpässe ausgleichen, sondern zeige auch „guten Willen“, um eine Lösung zu finden, sagte Appel heute in Istanbul. Er wolle keinen Konfrontationskurs fahren, sondern eine „saubere Lösung“. Forderungen nach rund 10.000 neuen Zustellern seien allerdings unrealistisch hoch. Von Unternehmensseite wurde der Gewerkschaft vorgehalten, sie habe bei den Tarifverhandlungen vor einigen Monaten selbst dazu beigetragen, dass die Arbeitszeiten - mit negativen Folgen für die Beschäftigten - verdichtet worden seien. Außerdem seien Verdi und auch die Betriebsräte nicht zu flexiblen Lösungen bereit, um Engpässe zu vermeiden. Ziel müsse es sein, die Zustellungen zu gewährleisten und unzumutbare Belastungen der Postboten zu vermeiden, sagte Appel. Als Antwort auf Berichte und Kundenbeschwerden über verspätete oder ausgefallene Zustellungen will die Post kurzfristig rund 1000 neue Briefträger einstellen. Sie sollen laut Appel so lange bleiben, bis eine tragfähige Lösung gefunden sei. Die Post will die Berichte über Engpässe intern näher prüfen. Sie verwies darauf, dass aus Erhebungen bundesweit „keine signifikanten Probleme“ zu erkennen seien. Es handele sich daher wahrscheinlich um „regionale Einzelfälle“. Die Deutsche Post beschäftigt rund 80.000 Briefträger, die täglich im Schnitt 70 Millionen Briefe zustellen. Auch nach dem Auslaufen ihres staatlichen Monopols ist die Post gesetzlich verpflichtet, dass im Jahresschnitt mindestens 80 Prozent der Briefe am nächsten Werktag den Empfänger erreichen. Derzeit liegt der Wert nach eigenen Angaben bei mehr als 95 Prozent. (dpa)
Deutsche Post zeigt sich kompromissbereit
Konzernchef Appel will mit Gewerkschaft über Brief-Zustellung verhandeln