17.12.2009 |

Deutsche Post behält vorerst Mehrwertsteuer-Privileg

Berlin/Bonn. Die Deutsche Post DHL soll nach Plänen der Bundesregierung am 1.Juli 2010 ihr Mehrwertsteuerprivileg für Großkundensendungen verlieren. Das sieht ein entsprechender Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom letzten Mittwoch vor. Vereinfacht bedeutet dies, so Xanto-Chef Christian Holland-Moritz, dass die Deutsche Post bei allen Kunden, die weniger als 55 Cent für den Standardbrief zahlen, ab dem 1. Juli 2010 Umsatzsteuer erheben muss. Dies gelte, so Holland-Moritz, für alle Kunden, die Frankiermaschinen einsetzen (Rabatt 1Prozent) aber auch für alle Konsolidierungskunden (Rabatte bis 26 Prozent). Betroffen sind davon vor allem Banken und Versicherungen.

Für Privatkunden soll sich dagegen an der heutigen Steuerpraxis nichts ändern: Weiter befreit bleiben demnach Leistungen des Postuniversaldienstes wie der Brief- oder Paketversand für private Haushalte. Auch Konkurrenten der Post können sich hierfür von der Steuerpflicht befreien lassen. "Wer von dieser Befreiung profitieren will, muss den Nutzern einen Universaldienst zur Verfügung stellen, der ständig flächendeckend postalische Dienstleistungen einer bestimmten Qualität zu tragbaren Preisen für alle Nutzer bietet", heißt es in dem Beschluss.

Die Deutsche Post muss auch künftig für bestimmte Briefsendungen und privat verschickte Pakete keine Mehrwertsteuer von 19 Prozent abführen. Ab Mitte nächsten Jahres kommt aber nicht mehr nur die deutsche Post, sondern auch andere KEP- und Briefdienstleister in den Genuss des Steuerprivilegs, sofern sie eine flächendeckende Grundversorgung der Bevölkerung nachweisen. Unterdessen machte Deutsche-Post-Chef Frank Appel klar, dass die Kunden der Deutschen Post auf absehbare Zeit nicht mit einem niedrigeren Briefporto rechnen können.

Die Bundesregierung brachte am Mittwoch eine Änderung des Steuerrechts auf den Weg. Die von der EU geforderte Neuregelung soll ab 1. Juli 2010 gelten. Appel sagte, die Befreiung müsse für die Deutsche Post als Universaldienstleister weiterhin gelten – für Privat- und viele Geschäftskunden. Die FDP hatte sich in der Vergangenheit für die komplette Abschaffung des Post-Steuerprivilegs stark gemacht.

Bisher zahlen Kunden der Deutschen Post DHL in der Regel keine Mehrwertsteuer. Ihr Universaldienst ist von dieser Steuer befreit. Bei privaten KEP- und Briefdienstleistern wird aber Mehrwertsteuer berechnet. Dies verschafft dem Ex-Monopolisten diesen gegenüber einen Kostenvorteil von fast 19 Prozent und bringt ihr nach Branchenschätzungen jährlich mehrere hundert Millionen Euro.

Wettbewerber der Post beklagen sich deshalb über die Benachteiligung und pochen auf Abschaffung des Steuerprivilegs des Marktführers. Auch die Monopolkommission sieht das Privileg kritisch und stellte jetzt in einem Sondergutachten eine Wettbewerbsverzerrung fest. „Für diese steuerliche Ungleichbehandlung gibt es keine Rechtfertigung.“ (dpa/eh)

 
Anzeige
 

Weitere Informationen

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

17.12.2009Artikelinformationen

Social Networking
Schlagworte
Bildnachweis
(Foto: ddp/Jens-Ulrich Koch)

Frachtenbörsen

Transportausschreibungen

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 08.02.2012 | Recht + Geld
    Kaufland und Netto im Visier der Zollfahnder
    V 480 Truck meint: Lohndumping ist in der Transportbranche alltag. Da hat der Zoll noch viel zu tun[mehr…]
  • 08.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    V480 Truck meint: Gigaliner,Die Hersteller und die Politik ziehen an einem Strang um den Umsatzsatz mit Neufahrzeugen...[mehr…]
  • 07.02.2012 | Transport + Logistik
    Feinstaubwerte 2011 trotz Umweltzonen gestiegen
    juergen diercks meint: So geht das aber nicht weiter. Es koennen doch Wetter und Hochdruck nicht einfach darueber hinweg...[mehr…]
  • 07.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    Ludger Haack meint: Wir wollten an dem Feldversuch auch teilnehmen - durch die "Sturheit" diverser Bundesländer...[mehr…]
  • 06.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    Rudolf Röhlich meint: Wir wollten an dem Feldversuch auch teilnehmen, weil wir auf manchen Relationen unpaarige WB abholen...[mehr…]

Frage der Woche

Jahresabo Premium

Jahresabo

Profitieren Sie ein Jahr lang von den Premium-Vorteilen der VerkehrsRundschau!


Mit hochwertiger Prämie! [Bestellen]

Neueste Meldungen

Fahrverbotskalender

Europäische Fahrverbote im Überblick

Unser Fahrverbotskalender gibt einen Überblick über die LKW-Fahrverbote in mehr als 25 europäischen Ländern. Der Kalender erscheint quartalsweise als Zugabe zur Printausgabe, er kann aber auch gesondert bezogen werden. Bestellen können Sie den Kalender außerhalb des Abos zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer unter 089/20 30 43 11 00 (Fax -2100) oder per Mail: vertriebsservice@springer.com.

Aktuelle Stellenangebote

Weitere Stellenanzeigen buchen

Beliebteste Galerien

Mini-Abo Online

miniabo

Testen Sie jetzt VerkehrsRundschau Online vier Wochen lang für nur 19 €

[Bestellen]

Beliebteste Meldungen