03.12.2009 |

Deutsche Handelsschifffahrt: 2009 war schlimmer als erwartet

Hamburg. Die deutschen Reeder haben das schlimmste Krisenjahr seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland hinter sich. Das, was bis dato als „Krise“ bezeichnet wurde, verdient aus heutiger Sicht eigentlich einer anderen Umschreibung. „2009 ist erheblich schlechter verlaufen, als wir es uns vor einem Jahr noch vorstellen konnten“, sagte Michael Behrendt, Vorsitzender des Verband Deutscher Reeder (VDR), am Donnerstag in Hamburg auf der Jahrespressekonferenz. Immerhin: Für 2010 gibt es so etwas wie eine „keimende Zuversicht“ auf eine leichte Verbesserung der Marktsituation. So zögen die Frachtraten in der Linienschifffahrt wieder langsam an. Auch bei den Charterraten sei der Zerfall gebremst. Die Anzahl der Auflieger steige nicht mehr. Aktuell lägen weltweit rund 566 Containerschiffe auf, die gut elf Prozent der TEU-Transportkapazität repräsentierten.

Die deutschen Reeder, die weltweit die mit Abstand größte Containerschiffflotte betreiben, seien von der Weltwirtschaftskrise, in deren Folge die Schifffahrtskrise ausbrach, gleich mehrfach getroffen worden. Zum einen durch den Einbruch der Frachtraten in der Linienschifffahrt, weil innerhalb kürzester Zeit große Ladungsmengen einfach vom Markt verschwanden. Zum anderen brachen die Charterraten massiv ein – um fast 80 Prozent -, weil Schiffstonnage nicht mehr in dem bisherigen Umfang benötigt wurde. Schließlich drohen viele deutsche Reedereien, aber auch Schiffsemissionshäuser, in Bedrängnis zu geraten , weil die in den Boomjahren bestellen neuen Frachter – allen voran Containerschiffen – nicht finanziert werden können.

Behrendt sprach von „starken Engpässen“ bei „der Beschaffung von Eigen- und Fremdkapital“. Sowohl die Banken als auch private Kapitalgeber seien extrem zurückhaltend. Behrendt appellierte hier an die Bundesregierung, die für andere Teile der deutschen Volkswirtschaft in dieser Krisenzeit geschaffenen Instrumente so anzupassen, dass in deren Genuss auch die deutsche Schifffahrtsbranche kommen können. Das sogenannte Kfw-Sonderprogramm beispielsweise könne hinsichtlich seiner Bestimmungen für die deutschen Reeder kaum angewandt werden. Behrendt wies darauf hin, dass deutsche Schiffffahrtsunternehmen „keine Sonderstellung“ gegenüber anderen Branchen haben wollten, „wohl aber eine krisengerechte Anwendung der Instrumente“.

Mehr politische Unterstützung wünscht sich der Verband auch beim Bemühen der deutschen Reeder, dass die Auslieferung der auf asiatischen Werften bestellten Schiffe „zeitlich gestreckt werden kann“. Bislang sträubten sich die fernöstlichen Schiffbauer dagegen. Sie müssten aber davon überzeugt werden, dass eine Verlagerung der Auslieferungen auf einen späteren Zeitpunkt auch ihnen helfen werde, zumal in diesem Jahr praktisch kein neues Schiff mehr bestellt wurde. Zudem werde eine zeitliche Streckung auch einen wirksamen Beitrag dazu leisten, dass es schneller wieder zu einer Ausgewogenheit aus Angebot und Nachfrage komme.

Ein großes Sorgenkind bleibt für die deutschen Reeder auch die Piraterie, allen voran am Horn von Afrika. Die Ende 2008 gestartete EU-Operastion „Atalanta“ sei zwar eine wichtiger Schritt gewesen. Doch an ihrer Wirksamkeit müsse noch mehr gearbeitet werden, wobei eine Reihe von Stellschrauben zu betätigen seien. Wichtig ist für den VDR, dass die Staatengemeinschaft die Piraterie als ein gemeinsames Problem erkenne und dagegen auch gemeinsam vorgehe. Das bedeute auch, dass eigentlich wesentlich mehr Marineschiffe abgestellt werden müssten. Parallel dazu müssten die Anstrengungen verstärkt werden, die Wurzeln der Piraterie zu bekämpfen. „Und die liegen an Land“, so Behrendt.

Ungeachtet der Schifffahrtskrise bilden die deutschen Reedereien weiter im großen Stil aus, da der Fachpersonalmangel, auch aufgrund der ungünstigen Alterspyramide in der deutschen Flotte, weiterhin bestehe. Froh sei man, dass sich weiterhin viele junge Menschen für einen Seefahrtsberuf entschieden. Der VDR wird seine Ausbildungsförderung daher erhöhen, und zwar von bislang 10.000 Euro pro Ausbildungsvertrag auf 12.000 Euro. (eha)

 
Anzeige
 

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

03.12.2009Artikelinformationen

Social Networking
Schlagworte
Bildnachweis
(Foto: Arndt)

VerkehrsRundschau mobil

Gefahr/gut-Umfragegewinnspiel

Nehmen Sie jetzt an unserer kurzen Umfrage zur IMO Erklärung teil.

Sichern Sie sich einen von drei BestChoice-Einkaufsgutscheinen im Wert von 50,-€, einlösbar bei 200 Partnern in über 25.000 Filialen.

[Jetzt teilnehmen]

Frachtenbörsen

Transportausschreibungen

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 21.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Glastaxi meint: Die dänischen Spediteure dürfen sich jetzt nicht aufregen, denen konnte es doch nicht wild und...[mehr…]
  • 19.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    Jürgen Auth meint: Es müsste folgende Bestimmung bei Kabotage eingeführt werden: Den Fahrern aus den Billiglohnländern...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Transport + Logistik
    Gefährlicher Spatenstich für Bayerns Innenminister
    Deka 1803 meint: Was sagt uns dies: Von Dingen, von denen man keine Ahnung hat, sollte man tunlichst die Finger...[mehr…]
  • 18.05.2012 | Recht + Geld
    Bundesregierung plant Arbeitszeitgesetz für selbstständige Fahrer
    Thomas Flesch meint: Darf ich jetzt länger fahren?! Laut EU-Recht maximal 90 Stunden Lenkzeit in 2 Wochen und nach diesem...[mehr…]
  • 17.05.2012 | Transport + Logistik
    Nordeuropäische Transporteure fordern Aussetzung der Kabotage
    hans-ulrich Höfler meint: Als Betroffener kann ich dem nur beipflichten. Wer die Augen im Transportverkehr weit genug öfnnet,...[mehr…]

Frage der Woche

Jahresabo Premium

Jahresabo

Profitieren Sie ein Jahr lang von den Premium-Vorteilen der VerkehrsRundschau!


Mit hochwertiger Prämie! [Bestellen]

Beliebteste Galerien

Mini-Abo Online

miniabo

Testen Sie jetzt VerkehrsRundschau Online vier Wochen lang für nur 19 €

[Bestellen]

Beliebteste Meldungen