04.03.2010 |

Deutsche Bahn: Ramsauer setzt auf Bayern-Connection

Berlin. Nach Absagen erster Kandidaten für das Amt des Chefkontrolleurs der staatseigenen Deutschen Bahn bringt Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) einen alten Bekannten aus Bayern ins Spiel. Danach soll der ehemalige Degussa-Manager Utz-Hellmutz Felcht als Nachfolger von Aufsichtsratschef Werner Müller über die Geschicke der Deutschen Bahn wachen.

Entsprechende „Spiegel“-Angaben wurden der „Deutschen Presse-Agentur“ am Mittwochabend in Regierungskreisen bestätigt. Ein weiterer - möglicherweise von der FDP gepushter - Kandidat sei der ehemalige Metro-Chef Hans-Joachim Körber. Im Verkehrsministerium wollte man sich auf „zu Spekulationen nicht äußern“.

Offen ist, inwieweit sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diese Vorschläge bereits zu eigen gemacht hat. Sie behält sich die letzte Entscheidung vor, so wie der noch amtierende Werner Müller und der über die Bahnaffäre gestolperte Ex-DB-Chef Hartmut Mehdorn Männer von Alt-Kanzler Gerhard Schröder waren.

Wie zu erfahren war, soll die Entscheidung möglichst noch in dieser Woche gefällt werden. Müllers Mandat endet am 24. März. Die schwarz-gelbe Regierung missbilligt hinter vorgehaltener Hand, dass Müller im Disput über den Datenskandal bei der Deutschen Bahn und die Privatisierungspolitik „keine sehr rühmliche Rolle“ gespielt habe.

Felcht stammt wie Ramsauer aus Bayern. Der studierte Chemiker sei in den neunziger Jahren Vorstand bei Hoechst gewesen und habe später den Chemiekonzern Degussa geleitet. Zwischenzeitlich arbeitete er auch für die bayerische SKW Trostberg AG. Man kenne sich seit langem.

Als Müllers Nachfolgekandidat wird laut „Spiegel“ auch der Name Hans-Peter Keitel gehandelt - Chef des mächtigen Bundesverbandes der Deutschen Industrie. Er war früher Bauindustrie-Präsident und Ex-Chef des Essener Baukonzerns Hochtief. Wegen der Rolle der Bauwirtschaft als großer Auftragnehmer der Bahn wären mit Keitel aber Interessenkonflikte programmiert. Aber auch unabhängig davon wurde Keitel in Regierungskreisen nicht als ernst zu nehmender Kandidat bestätigt. Ebenso stehe RWE-Chef Jürgen Großmann, der bereits im DB-Aufsichtsrat sitzt, auf keiner Liste.

Zuvor waren zwei ernst zu nehmende Kandidaten abgesprungen: Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank und angeblicher „Wunschkandidat“ der Bundeskanzlerin. Dies soll nach Informationen der „Deutschen Presse-Agentur“ bereits vor zwei Wochen stattgefunden haben. Bestätigt wurde zugleich, dass auch der Vorstandschef des Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht, der Regierung eine Absage erteilt habe. Er habe erklärt, dass er für den Posten nicht zur Verfügung stehe. (dpa)

 
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