11.11.2009 |

Dekra-Unfallreport: LKW ist besser als sein Ruf

Brüssel. Der Güterkraftverkehr ist an Verkehrsunfällen auf deutschen Straßen nur in geringem Maße beteiligt. Bei den 335.845 Crashs mit Verletzten und Toten im Jahr 2007 war der LKW in 36.217 Fälle verwickelt, was einem Anteil von 10,8 Prozent entspricht. Das ergab eine Untersuchung der KFZ-Sachverständigenorganisation Dekra, die ihren „Verkehrssicherheitsreport LKW 2009“ gestern in Brüssel vorgestellt hat.

Darin wird bilanziert, dass in Deutschland die Zahl der an Unfällen mit Personenschaden beteiligten Lastwagen zwischen 2000 und 2007 von 48.916 kontinuierlich auf 40.312 und damit um 17,5 Prozent gesunken ist. Damit habe sich „diese Entwicklung von der Zahl der Güterkraftfahrzeuge im deutschen Fahrzeugbestand entkoppelt“. Denn im gleichen Zeitraum sei die Zahl der Laster von 2.647.660 auf 2.803.819 und damit um 5,9 Prozent gestiegen. Die Dekra-Analyse weist für das Jahr 2000 noch 1195 Verkehrstote bei Unfällen mit LKW über 3,5 Tonnen aus. Diese Todeszahl konnte 2006 auf 769 reduziert werden. Sie sank für die zehn EU-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Portugal, Spanien, Griechenland, Österreich, Belgien und Finnland insgesamt von 4161 im Jahr 2001 auf 3006 im Jahr 2007.

Von den 2007 in Deutschland stattgefundenen 36.217 LKW-Unfällen mit Personenschaden waren 2599 Alleinunfälle ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. Bei 72 Prozent der Crashs gab es nur einen weiteren Beteiligten, der in 60 Prozent der Fälle ein PKW war.

Als die mit knapp 50 Prozent häufigste Unfallursache nannte Dekra-Aufsichtsratsvorsitzender Gerhard Zeidler menschliches Versagen am Steuer. Zu 40 Prozent seien „Wahrnehmungsstörungen“ des Fahrers durch beispielsweise Ermüdung und Sekundenschlaf schuld. Nur fünf Prozent der Unfälle gingen auf das Konto technischer KFZ-Mängel. Im Jahr 2007 registrierte die deutsche Polizei laut Sicherheitsreport „personenbezogene Unfallursachen“ in 409.529 Schadensfällen. „Der größte Teil dieses Fehlverhaltens wurde mit 281.086 Feststellungen den PKW-Fahrern angelastet“, heißt es im Bericht. LKW-Lenker seien lediglich in 28.474 Fällen für schuldig befunden worden, was einem Anteil von knapp sieben Prozent entspreche. Das „dominierende Fehlverhalten“ sei bei Innerorts-Unfällen ein zu geringer Abstand zum vorausfahrenden Wagen und bei Crashs außerhalb von Ortschaften ein den Fahrverhältnissen nicht angepasstes Tempo.

Als erste Schlussfolgerung nannte der Vorsitzende der Geschäftsführung Dekra Automobil, Clemens Klinke, eine unbedingte Erhöhung der Anschnallquote. Schätzungsweise nur die Hälfte der LKW-Fahrer lege den Gurt an. Die Statistik zeige, dass sich nur eines von 15 Todesopfern angeschnallt hatte. Schneller und umfassender einzuführen seien Fahrer-Assistenzsysteme, ein Risikomanagement mit Bonus-Malus-Praktiken und sichere LKW-Parkplätze. Bei den Lenk- und Ruhezeiten sollte es mehr Flexibilität geben. Schließlich fehle eine wirklich nutzbare EU-Unfalldatenbank. Zwar gebe es das „Care“-System, das aber durch fehlende einheitliche Kriterien kaum Ländervergleiche zulasse. (dw)

 
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