Stuttgart. Der weltgrößte Nutzfahrzeug-Hersteller Daimler hat bekräftigt, bis Ende des Jahres über den Einstieg beim russischen LKW-Marktführer Kamaz entscheiden zu wollen. Das "Handelsblatt" hatte am Montag unter Berufung auf informierte Personen berichtet, der Einstieg mit 42 Prozent habe für Daimler keine Priorität mehr. "Wir sind weiter interessiert", sagte dazu eine Konzern-Sprecherin am Montag in Stuttgart. Für das LKW-Geschäft der Marke Mercedes-Benz in Europa rechnet Daimler unterdessen mit einem deutlichen Abwärtstrend im nächsten Jahr. Das "Handelsblatt" zitierte auch den Chef der russischen Bank Troika Dialog, die Daimlers Verhandlungspartner bei dem Geschäft ist. Der Investmentbanker Andrej Scharonow sagte, ein Einstieg von Daimler werde möglicherweise erst 2009 erfolgen. Die Gespräche über eine mögliche Beteiligung an Kamaz hatten im zweiten Quartal begonnen. Für den Fall, dass der Einstieg bei Kamaz verworfen wird, prüft Daimler den Bau eines eigenen Werks in Russland. Bereits Ende September hatte es in Moskau Medienberichte gegeben, wonach Daimler bei den Verhandlungen den Preis deutlich drücken wolle. Bei der Unterzeichnung einer Absichtserklärung hätten sich die Stuttgarter und Troika Dialog Ende Juli auf einen Preis von etwas mehr als 2 Milliarden Dollar (1,4 Mrd Euro) geeinigt. Damals habe der Börsenwert von Kamaz noch bei 3,9 Milliarden Dollar gelegen. Er sei aber infolge der Kursstürze an der russischen Börse auf 1,76 Milliarden Dollar gefallen. Russische Analysten bewerteten danach das 42-Prozent-Paket mit maximal 740 Millionen Dollar. Kamaz sieht sich selbst als weltweite Nummer 11 unter den Nutzfahrzeug-Herstellern. Zugleich zählt sich das Unternehmen zu den weltgrößten Dieselmotor-Produzenten. Der Konzern hat rund 59.000 Beschäftigte. Die Produktionskapazität wird mit 71.000 LKW, 60.000 Motoren sowie 1500 Bussen pro Jahr angegeben. Mit 53.000 in Russland verkauften Lkw kam das Unternehmen den Angaben zufolge 2007 auf einen Marktanteil von 25 Prozent. Der Umsatz lag bei 3,8 Milliarden US-Dollar. Daimler verkaufte im vergangenen Jahr in Russland 1300 LKW. Insgesamt seien landesweit 154.000 LKW in der Klasse über sechs Tonnen abgesetzt worden. Trotz eines abgeschwächten Wachstums in Osteuropa gilt Russland weiter als ein Zukunftsmarkt für den weltgrößten Nutzfahrzeug- Hersteller. Für 2009 geht der Chef der Sparte Daimler Trucks, Andreas Renschler, für die LKW-Sparte Mercedes-Benz in Europa von einem deutlichen Absatzrückgang aus. In diesem Jahr werde der Rekordabsatz von 105.000 Lkw über sechs Tonnen noch übertroffen. Für das nächste Jahr rechnet der Manager aber nur noch mit bis zu 97.000 verkauften Fahrzeugen. Für die gesamte LKW-Sparte hatte Renschler zuletzt eine ähnliche Prognose abgegeben. Trotz kräftiger Bremsspuren auf dem US-Markt soll der Vorjahresabsatz von 467.700 Fahrzeugen leicht übertroffen werden. 2009 rechnet Renschler dann mit einer Stagnation oder leichten Abschwächung. Daimler hatte jüngst wegen der Krise auf dem US-Markt die Produktion der Marke Sterling Trucks eingestellt und ist künftig noch mit den vier LKW-Marken Mercedes, Fuso, Freightliner und Western Star auf dem Markt. (dpa)
Daimler: Entscheidung zu Kamaz noch 2008
Absatz von Mercedes-LKW sinkt - Russland gilt für Nutzfahrzeug-Hersteller als Zukunftsmarkt