Credtireform: Anstieg der Insolvenzen in Europa

12.02.2009 11:14 Uhr
Zahl der Unternehmenspleiten ist 2008 um elf Prozent gestiegen (Bild: Pixelio)

Mehr Unternehmenspleiten im vergangenen Jahr/ Wirtschaftskrise traf vor allem Transportsektor

Neuss. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den EU-15 Staaten, Norwegen und der Schweiz ist nach Angaben des Kreditinformationsverbandes Creditreform im vergangenen Jahr auf gut 150.000 Fälle gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von knapp elf Prozent gegenüber dem Vorjahr (2007: 135.500). Lediglich in drei der 17 untersuchten Länder – gemeint sind Niederlande, Luxemburg und die Schweiz – sei die Zahl der Unternehmenspleiten im Jahresverlauf rückläufig gewesen, sagte die Wirtschaftsauskunft. Den höchsten Anstieg wies laut Expertenanalyse mit einem Plus von 138,6 Prozent auf 2100 Fälle Spanien auf. Es folgen Irland mit einer Zunahme von 120,8 Prozent auf 700 und Dänemark mit einem Anstieg von 54,5 Prozent auf 3710 Insolvenzen. Die dramatische Entwicklung zeige, so Creditreform, dass diese europäischen Staaten bereits 2008 voll vom globalen Wirtschaftsabschwung und den härteren Finanzierungsbedingungen für Unternehmen erfasst worden sind. Die Mehrzahl der westeuropäischen Länder habe die Insolvenzwelle allerdings noch nicht mit voller Wucht erreicht. Die höchste relative Insolvenzbetroffenheit (Zahl der Unternehmen eines Landes im Verhältnis zur Zahl der Firmenpleiten des betreffenden Landes) weisen nach Auskunft des Kreditinformationsverbandes Luxemburg (233 Insolvenzen apro 10.000 Unternehmen), Österreich (224) und Frankreich (215) auf. Die durchschnittliche Insolvenzquote Westeuropas liege danach bei 83 insolventen Betrieben pro 10.000 Unternehmen. Deutschland erreicht mit einer Quote von 96 einen leicht über dem Durchschnitt liegenden Wert. Die Zahl der durch die Insolvenz des Arbeitgebers bedingten Arbeitsplatzverluste stieg im Jahresverlauf 2008 parallel zur Zunahme der Unternehmensinsolvenzen und liegt in der Creditreform-Analyse europaweit bei 1,4 Millionen. 2007 waren 1,2 Millionen Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Den größten Anteil am Insolvenzgeschehen in Europa habe die Dienstleistungsbranche: Durchschnittlich 36,4 Prozent (Vorjahr: 34,3 Prozent) aller Unternehmenszusammenbrüche betrafen Unternehmen aus dieser Branche. Der zunehmende Anteil des Sektors sei auf die deutlich erhöhten Insolvenzquoten im von Finanzkrise und Konjunkturabschwung besonders betroffenen Transportsektor, der Immobilienwirtschaft und den unternehmensnahen Dienstleistern zurückzuführen. Creditreform befragte im Januar 2009 rund 360 deutsche Exporteure zu ihren aktuellen Auslandserfahrungen. Dabei klagten 41 Prozent der Befragten über spürbare Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf ihr Auslandsgeschäft. Negative Auswirkungen auf das Zahlungsverhalten der ausländischen Geschäftspartner spüren nach Expertenaussage 85,4 Prozent der Exporteure. Dabei hätten 16,1 Prozent der Befragten schon eine deutliche Verschlechterung des Zahlungsverhaltens festgestellt – 69,3 Prozent eine nur leichte. Die Insolvenzrisiken für 2009 schätzen die befragten Unternehmen am höchsten in Osteuropa ein – speziell im Baltikum. (ag)

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