Hamburg. Für den Hamburger Hafen deutet sich in diesem Jahr ein „Nullwachstum“ beim Containerumschlag an. Nachdem bis Ende September der Zuwachs auf TEU-Basis noch gut 0,9 Prozent betragen hatte, soll sich der Zuwachs bis Ende Oktober noch einmal verkleinert haben. Das jedenfalls berichtete das „Hamburger Abendblatt“ in seiner Donnerstag-Ausgabe und berief sich dabei auf den aktuellen Monatsbericht der Hafen Hamburg Marketing (HHM). Ursprünglich waren für dieses Jahr mehr als zehn Millionen TEU erwartet worden, nachdem 2007 die Schallmauer mit 9,9 Millionen TEU knapp verfehlt wurde. Claudia Roller, Vorstand der Hafen Hamburg Marketing (HHM) hatte noch auf der Halbjahres-Pressekonferenz im Juli verkündet: „Wir freuen uns, dass der Hamburger Hafen, der dieses Jahr auf 40 Jahre Containerverkehr zurückblicken kann, erstmals die 10-Millionen-TEU-Marke erreichen wird.“ Dem aktuellen Zeitungsbericht zufolge soll der Zuwachs bis Ende Oktober auf ein Plus von 0,3 Prozent geschrumpft sein. Hamburgs Hafen- und Wirtschaftssenator Axel Gedaschko hatte bereits in dieser Woche im Zusammenhang mit der Ankündigung, die Freizone bis 2011 deutlich zu verkleinern, in einem Nebensatz angedeutet, dass der Elbe-Hafen 2008 mit einem Nullwachstum beim Containerumschlag zu rechnen habe. Die Medienangaben über den HHM-Monatsbericht löste in der Marketing-Organisation des Hamburger Hafens großes Erstaunen aus. „Wir können uns nicht erklären, wie diese Zahlen den Zugang in Umlauf gelangt sind, weil der Bericht noch nicht einmal fertig gestellt worden ist“, erklärte HHM-Sprecher Bengt van Beuningen gegenüber der VerkehrsRundschau. Da der Bericht, „der ein reines, internes Informationspapier für unsere Mitglieder ist“, noch gar nicht in Umlauf gebracht worden, wollte van Beuningen die Zahl auch nicht weiter kommentieren. Umfragen der VR bei verschiedenen Hafen- und damit HHM-Mitgliedsfirmen bestätigten, dass ihnen der aktuelle Monatsbericht noch nicht vorlag. Dass sich die Umschlagentwicklung im Hamburger Hafen mit dem Beginn des dritten Quartals spürbar verlangsamt hat, bestätigen auch Unternehmen, die mit ihren nachgeordneten Dienstleistungen vom Hafen abhängen. Hans Stapelfeldt, geschäftsführender Gesellschafter des im Containertrucking tätigen Speditions-Unternehmens, berichtete von einer „sehr heftigen Delle“ bei den Container-Transporten im Seehafen-Vor- und Nachlauf auf der Straße. Für sein Unternehmen heißt das unter anderem: beschleunigter Urlaubstage- und Überstundenabbau. „Wir ziehen alle Register, die wir unter dem Gesichtspunkt Personaleinsatz, nutzen können. Ich gehe davon aus, dass dieser Mengenrückgang sich bis Mitte nächsten Jahres wieder normalisiert hat. Personalabbau ist das Letzte, woran ich derzeit denke, denn wir haben in den zurückliegenden Jahren größte Anstrengungen unternommen, um die für die großen Transportmengen benötigten, qualifizierten Fahrer zu finden.“ Unternehmer Stapelfeldt, der zudem in verschiedenen Ehrenämtern rund um das Thema Logistik eingebunden ist, warnt davor, die aktuelle Mengenentwicklung im Elbe-Hafen zu einem Horrorszenario aufzubauschen. „Was wir jetzt bekommen, ist eine lange überfällige Atempause. Denn die langfristigen, globalen wirtschaftlichen Rahmendaten haben sich ja innerhalb von zwei Monaten nicht grundlegend verändert.“ Das „Fatalste“ wäre aus seiner Sicht, wenn die Politik in Hamburg jetzt entscheiden würde, beim Ausbau des Hafens und vor allem der Infrastruktur den Fuß vom Gas zu nehmen.“ Es gelte, fit zu sein, wenn der Umschlag wieder zulegen wird. (eha)
Container-Mengenziel des Hamburger Hafens für 2008 wird verfehlt
Speditionsunternehmer raten, die Atempause für den Ausbau der Infrastruktur zu nutzen