27.01.2009 | Transport + Logistik

CO2-Klimalabel abgelehnt

Berlin. In Deutschland wird es vorerst keine CO2-Kennzeichnung von Produkten geben. Dies ist eines der Ergebnisse des Zwischenberichts des Pilotprojekts Produkt Carbon Footprint (PCF), das gestern in Berlin 300 Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik vorgestellt wurde.

Unter der Trägerschaft der Naturschutzorganisation WWF, dem Öko-Institut, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der Agentur Thema1 haben zehn deutsche Unternehmen (BASF, dm-Drogerie Markt, DSM, Frosta, Henkel, Rewe Group, Tchibo, Tetra Pak, T-Home und Tengelmann) im Rahmen des PCF-Projektes die Emissionen an CO2 und anderen Treibhausgasen über den gesamten Lebenszyklus von 15 ausgewählten Produkten (Textilveredelung, Dämmstoff, Toilettenpapier, Weinstabilisator, Tiefkühlgericht, Duschgel, Waschmittel, Fugenabdichtung, Klebstoff, Erdbeeren, Kaffee, Sporttasche, Eier, Telefonanschluss und Getränkekarton) ermittelt.

Die Projektbeteiligten haben sich im Rahmen ihrer sechsmonatigen Untersuchung auch verschiedene Standards zur Ermittlung und Kennzeichnung von produktbezogenen CO2-Emissionen angeschaut, die unter anderem in England, Frankreich und der Schweiz bereits schon von Unternehmen wie dem britischen Handelshaus Tesco genutzt werden. „Die Kommunikation eines aggregierten Indikators zum Beispiel in Form eines Carbon Labels mit einer ausgewiesenen Grammzahl, wie es bereits von manchen Unternehmen praktiziert wird, ist nicht sinnvoll“, schreiben die Projektbeteiligten. Kritisiert wird vor allem die uneinheitliche Methodik sowie das fehlende Verständnis beim Konsumenten, die Zahlen bewerten zu können. Für die Unternehmen kommt derzeit deshalb keine CO2-Kennzeichnung von Endprodukten nach britischem Vorbild in Frage.

Die deutschen Unternehmen unterstützen die Schaffung eines internationalen Bewertungsstandards, den die Standardisierungsorganisation Iso bis 2011 vorlegen will. „Vorausgesetzt eine einheitliche Methodik ist international etabliert, kann ein PCF in der Kommunikation mit Zulieferern, Industriekunden und Verbrauchern genutzt werden, um die Klimarelevanz alltäglicher Produkte und Dienstleistungen zu verdeutlichen“, so die gemeinsame Erklärung aller Studienbeteiligten. Auf Nachfrage von LOGISTIK inside wurde aber deutlich, dass die wenigsten der im Projekt beteiligten Handelsunternehmen sich auch bei Etablierung eines solchen Standards eine umfassende Kennzeichnung für den Endkunden vorstellen können. Aufgrund der hohen Kosten und des Zeitaufwandes sei dies für ein großes Sortiment kaum machbar, hieß es.

Dennoch wollen alle Beteiligten das PCF-Projekt fortführen. Die Unternehmen bestätigten, dass durch die exemplarischen Rechnungen sich sehr gut die Hauptverursacher von Treibhausgasen in Supply Chains ermitteln lassen und sich so Einsparmöglichkeiten aufzeigten. Die Erfassung solcher Daten für interne Zwecke und auch die Abfrage solcher Daten bei Lieferanten und Dienstleistern für bestimmte Produktkategorien sei durchaus sinnvoll und manchmal sehr lehrreich für das Unternehmen, so die Meinung der Projektpartner. (ak)

Die ausführlichen Ergebnisse der einzelnen PCF-Fallstudien finden sich unter: http://www.pcf-projekt.de

 
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