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08.03.2016Transport + Logistik | Inland

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premiumCamion Pro deckt AdBlue-Skandal auf

Der Vorstand des Transportverbandes spricht von einer großflächigen Manipulation der SCR-Systeme bei Lkw, wodurch diese zehn Mal mehr Stickoxid ausstoßen.
Andreas Mossyrsch

Die Stilllegung der AdBlue-Anlage ist Camion Pro-Vorstand Andreas Mossyrsch für 300 Euro pro Lkw angeboten worden - möglich ist sie bei allen Marken

Foto: VR/André Giesse

München. Nach Recherchen des Transportverbandes Camion Pro könnten auf deutschen Autobahnen bis zu 20 Prozent aller Lkw mit manipulierter SCR-Abgasnachbehandlung unterwegs sein. Camion Pro-Vorstand Andreas Mossyrsch spricht von „einem immensen Umweltschaden“. Denn wird kein AdBlue in den Abgasstrom eingespritzt, funktioniert die Umwandlung der Stickoxide im SCR-Katalysator nicht mehr. Die Abgase liegen damit statt auf Euro-6- lediglich auf Euro-3-Niveau. Hinzu kämen Kfz-Steuer- und Mautbetrug, schließlich sei das Fahrzeug laut Papieren als Euro 6 eingestuft und zahle somit weniger Steuern und einen geringeren Mautsatz, sagte er auf einer Pressekonferenz am Montag. „Wir haben sowohl die Lkw-Hersteller, als auch die Behörden und die Bundesregierung mit diesen Erkenntnissen konfrontiert – alle zeigten sich völlig überrascht.“

Ans Licht gekommen ist der Skandal bei Undercover-Recherchen von Camion Pro in Rumänien. Mossyrsch wurden dort von dubiosen Kontaktpersonen verschiedene Illegale Angebote zur „Optimierung“ von Fahrzeugflotten unterbreitet. Dem Chef des Transportverbandes wurde dabei ein „AdBlue-Killer“ angeboten. Dieser soll die AdBlue-Abgasanlagen am Lkw stilllegen, ohne dass die Motorsteuerung automatisch das Notlaufprogramm aktiviert. Die Verkäufer dieser AdBlue-Emulatoren versprechen dem Betreiber Einsparungen von einigen tausend Euro im Jahr, weil auf die im Abgassystem moderner Dieselmotoren zur Stickoxid-Reduzierung benötigten Harnstofflösung komplett verzichtet werden könne. Camion Pro fand heraus, dass sich die Manipulationen offenbar kaum nachweisen lassen, weshalb ein geringes Risiko besteht, erwischt zu werden.

Bei seiner weiteren Recherche stieß Mossyrsch auf „Zulieferbetriebe" in China und Osteuropa. Als sich der Camion Pro-Vorstand als „Großkunde“ bei „Vertriebsorganisationen“ in Russland, China und Großbritannien ausgab, erhielt er verblüffendes Material. Neben Informationen, wie die Bauteile unbemerkt betrieben werden können, sogar eine Preisliste für Händler und Großabnehmer. Wer auf Internet-Verkaufsplattformen wie Ebay den Suchbegriff „AdBlue Emulator“ eingibt, stößt ohne weiteres auf frei verfügbare Angebote aus China, Russland, aber auch aus EU-Ländern, wie Litauen, Spanien oder den Niederlanden. Diese vertreiben die Umrüstsätze samt Einbauanleitung und ohne Versandkosten für teilweise unter 50 Euro. Wer mit den Einbau-Anleitungen nicht klarkommt, findet bei YouTube Anleitungen für den Selbsteinbau. (gg/ag)

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