23.03.2010 |

Brüderle will deutsche Exportmacht ausbauen

Berlin. Die Bundesregierung will trotz Kritik von EU-Partnern an der deutschen Exportstärke den Außenhandel weiter stärken. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) kündigte am Dienstag eine Exportoffensive an, um vom Aufschwung an den Weltmärkten stärker zu profitieren. Anträge von Firmen auf staatliche Unterstützung sollten schneller bearbeitet, das weltweite Netz der Außenhandelskammern ausgebaut werden.

Die Bedenken in Frankreich und anderen Nachbarländern, die deutsche Wirtschaftspolitik schwäche Europa, könne er nicht nachvollziehen: "Wenn Deutschland erfolgreich ist, profitiert auch Frankreich davon", sagte Brüderle. Die überflüssige Debatte erinnere ihn an die Schulzeit, wenn der Klassenbeste kritisiert werde. Deutschland ist mit Abstand die größte Volkswirtschaft Europas. Jeder vierte Job hängt vom Außenhandel ab. "Zwei von fünf Euro, die wir in Deutschland verdient haben, kommen aus dem Export", sagte Brüderle. Im Krisenjahr 2009 brachen die Ausfuhren aber heftig ein.

Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde hatte Berlin vorgeworfen, sein Wachstum in den vergangenen zehn Jahren ganz auf den Export ausgerichtet und damit anderen Staaten geschadet zu haben. Sie forderte Berlin auf, mit Steuersenkungen die eigenen Bürger zu mehr Einkäufen zu ermuntern, damit der hohe deutsche Handelsüberschuss schrumpft. 2009 exportierte die deutsche Wirtschaft Waren und Dienstleistungen für 964 Milliarden Euro. Die Importe beliefen sich auf rund 854 Milliarden Euro.

Brüderle sagte, Deutschland kaufe einen großen Teil seiner Importe bei europäischen Nachbarn. "Wir wollen Europa nicht schwächer machen." Die deutsche Wirtschaft habe mit moderaten Lohnerhöhungen und guten Produkten ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Auch der Staat habe in der Krise mit dem Kurzarbeitergeld geholfen. Andere Länder könnten sich daran ein Beispiel nehmen: "Ihr könnt das auch!" Ähnlich hatte sich der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, geäußert.

Auch der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, hatte die Vorhaltungen aus Paris zurückgewiesen: "Ich teile nicht die Sicht, dass wir sie (die Deutschen) kritisieren sollten." Bundesbank- Präsident Axel Weber sagte, andere Länder hätten über ihre Kosten gelebt und schmerzhafte Reformen versäumt.

Brüderle will vor allem dem Mittelstand neue Chancen in aufstrebenden Märkten wie Brasilien, Russland, Indien und China eröffnen. 2010 werde die Weltwirtschaft geschätzt um sechs Prozent wachsen, 2011 um acht Prozent. "Da muss man schon dabei sein." Deutschland dürfe sich auf früheren Erfolgen nicht ausruhen: "Wer auf Lorbeeren sitzt, trägt sie auf der verkehrten Stelle."

In Angola, Kenia, Ghana, Libyen und Aserbaidschan sollen neue Außenhandelskammern aufgemacht werden. Im Mai können sich kleine und mittelgroße Betriebe über ein "Export-Telefon" an Experten wenden. Zum Start am 4. Mai will Brüderle persönlich die ersten Anrufer beraten. (dpa)

 
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