London/Paris. Mehr als 16 Stunden nach dem Ausbruch eines Brandes im Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien haben Feuerwehrleute beider Länder die Flammen gelöscht. Eine der beiden Haupttunnelröhren unter dem Ärmelkanal wurde bei dem Brand mit Temperaturen bis 1000 Grad auf etwa 300 Metern schwer beschädigt, wie der Unterpräfekt von Calais, Gerard Gavory, sagte. Zunächst war völlig unklar, wann der gesperrte Tunnel wieder für den Personen- und Frachtverkehr freigegeben werden kann. Der Betreiber des Hochgeschwindigkeitszuges Eurostar rechnete für Freitag nicht mehr mit einer Wiederaufnahme des Verkehrs. Am Donnerstag war ein Lastwagen aus zunächst ungeklärter Ursache auf einem Frachtzug im Tunnel wenige Kilometer von der französischen Seite entfernt in Brand geraten. 32 Menschen, darunter vor allem Lastwagenfahrer, mussten durch einen Zwischentunnel in Sicherheit gebracht werden. Fünf Eurostarzüge mit rund 2000 Passagieren brachen ihre Fahrt ab und kehrten zu ihren Startbahnhöfen zurück. Sechs der Lastwagenfahrer kamen mit leichten Rauchvergiftungen ins Krankenhaus, sagte Gavory. Er korrigierte damit die zunächst genannte Zahl von zwölf Leichtverletzten nach unten. Die Ladung einer Chemikalie auf einem der Lastwagen habe bei dem Brand keine Rolle gespielt, sagte der Unterpräfekt. Es habe sich lediglich um ein Kilogramm Phenol gehandelt, das für die pharmazeutische Industrie benötigt werde. Die von dem Brand nicht betroffene zweite Tunnelröhre soll nach einer technischen Kontrolle nach dem Willen der Eurotunnel-Gesellschaft so schnell wie möglich wieder in Betrieb genommen werden. Allerdings lag bis Freitagmittag noch gar keine Genehmigung vor, diese Röhre für die Untersuchung zu betreten. Die vom Brand betroffene Röhre müsse zunächst abkühlen, bevor der zerstörte Zug geborgen werden könne, sagte ein Sprecher der Eurotunnel-Betreiber in Paris. Der Einsatz der 300 Feuerwehrleute - 200 aus Frankreich und 100 aus Großbritannien war in der Nacht zum Freitag durch die hohen Temperaturen erschwert worden. Die Einsatzkräfte, die von beiden Seiten heranrückten, konnten sich mit Mühe vorankämpfen. Neben dem Eurostar wird der längste Unterwassertunnel der Welt auf einer getrennten Trasse für den Frachtverkehr und für Autozüge genutzt. Ein dritter Tunnel ist als Servicetunnel auch für Evakuierungen vorgesehen. (dpa)
Brand im Eurotunnel gelöscht
Lastwagen auf Frachtzug war in Brand geraten, Verkehr weiter blockiert