Bilanz: Milliarden Euro verschwinden in Aschewolke

27.04.2010 13:55 Uhr
Vulkan Eyjafjallajoekull
Die Auswirkungen des Vulkanausbruchs kosten Airlines, Flughäfen und der Fremdenverkehrsbranche mehrere Milliarden Euro
© Foto: ddp/DLR

In Deutschland fielen 40.000 Flüge aus, in Europa 100.000 / Einnahmeausfälle der Airlines liegen bei 1,3 Milliarden Euro / 50.000 Tonnen Fracht nicht befördert / <b>mit Video</b>

Hamburg. Das tagelange Flugverbot wegen der Vulkanaschewolke hat Europas Wirtschaft 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro Verluste beschert. Diese Zahl nannte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas als vorläufige Bilanz einer Expertengruppe, die die Folgen des Luftverkehrschaos untersucht. Die Wirtschaft nannte zuvor höhere Einbußen. Demnach summierten sich nach Angaben des Weltluftfahrtverbandes Iata allein die Einnahmeausfälle der Airlines auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main schätzte seinen Umsatzrückgang auf 15 Millionen Euro. Die Fremdenverkehrsbranche verbuchte laut Welttourismusorganisation (UNWTO) einen um 1,7 Milliarden Euro geringeren Umsatz. Insgesamt wurden rund 100.000 Flüge gestrichen. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) fielen allein im deutschen Luftraum bis zu 40.000 Flüge aus. Die 23 großen deutschen Airports konnten knapp drei Millionen Passagiere nicht abfertigen. Hunderttausende Urlauber saßen an ihren Ferienorten fest. Frachtrückstau von 50.000 Tonnen Durch das Flugverbot bildete sich nach einer Übersicht der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) auch bei der Luftfracht ein erheblicher Rückstau. Schätzungsweise 50.000 Tonnen seien deswegen nicht befördert worden. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) berechnete den täglichen Umsatzverlust für deutsche Unternehmen wegen des Flugverbots auf eine Milliarde Euro. Weil dringend benötigte Ersatzteile nicht geliefert wurden, gab es viele Produktionsausfälle. Bei BMW standen in den Werken München, Dingolfing und Regensburg vorübergehend die Bänder still, Opel war zu einer eintägigen Produktionspause im Stammwerk Rüsselsheim gezwungen. Bei Daimler fielen einzelne Schichten in Sindelfingen aus, beim Autozulieferer Bosch standen in vier Werken für die Halbleiterproduktion die Bänder still. Video: Der Flugverkehr über Europa Das folgende Video illustriert die Beeinträchtigungen des Flugverkehrs über Europa während des Überzugs der Aschewolke und die Rückkehr zum regulären Flugaufkommen. Deutlich sichtbar ist das erhöhte Flugaufkommen durch die Genehmigung von Sichtflügen. Hinweis: Kein Anspruch auf vollständige Datenbasis.

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Nachtflugverbot im Südwesten gilt wieder

Das Nachtflugverbot an den Flughäfen in Baden-Württemberg gilt wieder in vollem Umfang. Das Umwelt- und Verkehrsministerium hob am Dienstag die vorübergehende Lockerung des Verbots auf. Nach den Beeinträchtigungen durch den Vulkanausbrauch in Island habe sich der Flugverkehr wieder weitgehend normalisiert. "Es besteht damit keine Notwendigkeit mehr, die Nachtflugverbotszeiten weiter zu verkürzen", teilte Ministerin Tanja Gönner (CDU) am Dienstag in Stuttgart mit. Flughäfen und Airlines hätten die Ausnahmeregelung maßvoll genutzt. Während der vergangenen sieben Tage wurden 14 Starts und Landungen außerhalb der üblichen Flugzeiten gezählt. Um das Chaos im Luftverkehr infolge der Aschewolke möglichst schnell in den Griff zu bekommen, konnte auf den Flughäfen Stuttgart, Karlsruhe/Baden-Baden und Friedrichshafen der Verkehr schon um 5.00 Uhr statt um 6.00 Uhr beginnen. Am Abend konnten die letzten Maschinen bis 1.00 Uhr statt wie sonst bis 23.00 Uhr starten beziehungsweise bis 23.30 Uhr landen. Gönner lobte die Anwohner, die zusätzliche Belastungen hingenommen hätten, um gestrandeten Urlaubern eine rasche Heimkehr zu ermöglichen. (tk/ab/dpa)

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