30.11.2009 | Transport + Logistik

Bericht: Bußgeldforderungen in MAN-Schmiergeldaffäre steigen

Die Schmiergeldaffäre bei MAN könnte den Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“/Montag) im Extremfall bis zu 300 Millionen Euro kosten. Das Unternehmen solle einen Bußgeldbescheid erhalten und Steuern nachzahlen.

MAN verhandelt nach Angaben der „SZ“ mit der Münchner Staatsanwaltschaft über das Bußgeld, mit dem die Strafverfolgungsbehörde die Korruptionsaffäre ahnden will. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler habe das in München ansässige Unternehmen von 2001 bis 2007 in mehr als 20 Ländern Regierungen und Geschäftspartnern bestochen, um Großaufträge vor allem für Busse, aber auch für Lkw zu erhalten.

In einem internen Bericht bei MAN werden die fragwürdigen Zahlungen nach Angaben der Zeitung mit 50 bis 80 Millionen Euro beziffert. Nach Angaben eines Insiders könne sich die endgültige Größenordnung auf 100 Millionen Euro und mehr belaufen. MAN wolle dem Aufsichtsrat bei dessen nächster Sitzung am 11. Dezember die Ergebnisse eigener Ermittlungen vorlegen.

Interne Ermittler weisen offenbar Aufsichtsversagen nach

Der „Focus“ hatte bereits am Wochenende berichtet, die internen Ermittler hätten bei MAN in 180 „Einzelkomplexen“ fragwürdige Zahlungen von mehr als 100 Millionen Euro gefunden. Sie hätten dem abgetretenen MAN-Chef Håkan Samuelsson zudem Aufsichtsversagen nachgewiesen. Demnach soll dieser bei einem Fall in Kasachstan dem damaligen Chef der MAN-Sparte Turbo nach Korruptionsvorwürfen seine Pensionsansprüche gelassen haben.

Zu diesem konkreten Fall nahm ein MAN-Sprecher am Sonntag auf Nachfrage keine Stellung. Und auch die angebliche Höhe der fragwürdigen Zahlungen kommentierte er nicht. Er verwies auf den Abschlussbericht der internen Ermittlungen, der noch vor Ende des Jahres dem Aufsichtsrat vorgelegt werden soll.

Staatsanwaltschaft will illegale Gewinne abschöpfen

Mit dem geplanten Bußgeld wolle die Staatsanwaltschaft die bei den illegal erlangten Aufträgen erzielten Gewinne abschöpfen, schreibt die „SZ“. Diese Gewinne könnten 200 bis 250 Millionen Euro betragen, sagten nach Angaben aus Konzernkreisen Vertreter der Staatsanwaltschaft bei Gesprächen mit MAN. Der Konzern schätze die Profite, die bei den durch Schmiergeldzahlungen erhaltenen Aufträgen erzielt worden sein sollen, deutlich niedriger ein. MAN wolle deshalb versuchen, ein erheblich milderes Bußgeld auszuhandeln.

Zum Bußgeld und zu den Steuernachzahlungen kommen nach Darstellung der „Süddeutschen Zeitung“ die Kosten für die internen Ermittlungen bei MAN hinzu, die vom Konzern bislang mit gut 50 Millionen Euro angegeben würden. Insgesamt ergebe das im für MAN schlimmsten Fall bis zu 300 Millionen Euro. (dpa)

 
Anzeige
 

Weitere Informationen

Kommentar verfassen

Regelmäßig werden online verfasste Kommentare in der VerkehrsRundschau veröffentlicht. Um sich für eine Veröffentlichung zu qualifizieren, geben Sie bitte Ihren vollen Namen und unter dem Kommentar Ihren Wohnort an. Herzlichen Dank!

 

30.11.2009Artikelinformationen

Social Networking
Schlagworte
Bildnachweis
(Foto: ddp/Steffi Loos)

Beliebteste Meldungen

Beliebteste Galerien

Nachwuchsinitiative

Hallo Zukunft!

VerkehrsRundschau, Trucker und Gefahr/gut vermitteln zwischen Schülern, Lehrern und Unternehmen für eine Zukunft in der Logistik [Mehr Infos über Ausbildung in der Logistik]

Neueste Kommentare unserer Leser

  • 08.02.2012 | Recht + Geld
    Kaufland und Netto im Visier der Zollfahnder
    V 480 Truck meint: Lohndumping ist in der Transportbranche alltag. Da hat der Zoll noch viel zu tun[mehr…]
  • 08.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    V480 Truck meint: Gigaliner,Die Hersteller und die Politik ziehen an einem Strang um den Umsatzsatz mit Neufahrzeugen...[mehr…]
  • 07.02.2012 | Transport + Logistik
    Feinstaubwerte 2011 trotz Umweltzonen gestiegen
    juergen diercks meint: So geht das aber nicht weiter. Es koennen doch Wetter und Hochdruck nicht einfach darueber hinweg...[mehr…]
  • 07.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    Ludger Haack meint: Wir wollten an dem Feldversuch auch teilnehmen - durch die "Sturheit" diverser Bundesländer...[mehr…]
  • 06.02.2012 | Transport + Logistik
    Feldversuch: Ramsauer wirbt um Teilnehmer
    Rudolf Röhlich meint: Wir wollten an dem Feldversuch auch teilnehmen, weil wir auf manchen Relationen unpaarige WB abholen...[mehr…]

Twitter: vr_online

Der Twitter-Kanal der VerkehrsRundschau

vr_online auf Twitter abonnieren und unsere Redakteure halten Sie auf dem Laufenden - blitzschnell und kostenlos!
[Follow us!]

Fahrverbotskalender

Europäische Fahrverbote im Überblick

Unser Fahrverbotskalender gibt einen Überblick über die LKW-Fahrverbote in mehr als 25 europäischen Ländern. Der Kalender erscheint quartalsweise als Zugabe zur Printausgabe, er kann aber auch gesondert bezogen werden. Bestellen können Sie den Kalender außerhalb des Abos zum Preis von 9,80 Euro zzgl. Versand und Mehrwertsteuer unter 089/20 30 43 11 00 (Fax -2100) oder per Mail: vertriebsservice@springer.com.