Gent. Verschärfte EU-Bestimmungen für Ruhe- und Lenkzeiten, die immer größere Verbreitung des digitalen Aufzeichnungsgerätes in den LKW-Fuhrparks und die strengere Kontroll- und Ahndungspraxis der Polizei stoßen beim belgischen Speditions- und Logistikgewerbe auf ein wachsendes Unverständnis. Zahlreiche Kontrollbeamten setzten die einschlägigen Vorschriften „buchstabengenau“ um, ohne auf den individuellen Fall einzugehen, beschwert sich jetzt auch der flämische Fachverband SAV aus Gent. So würden inzwischen saftige Bußgelder „für ganze fünf Minuten Lenkzeitüberschreitung verhängt“. Dabei seien es diese Minuten, die es dem Fahrer am Ende ermöglicht hätten, entweder seinen Betrieb oder gar einen sicheren LKW-Parkplatz entlang der Autobahnen zu erreichen, beschwert sich der SAV. Die Art und Weise, wie die Kontrollen ausgeübt würden, empfänden daher sowohl die LKW-Fahrer als auch die Unternehmern zunehmend als reine Hexenjagd. Der SAV: „Die Verkehrssicherheit wird durch ein so rigoroses Vorgehen nicht um einen Millimeter verbessert.“ Dabei stellt der Verband sehr wohl klar, dass ihm an einer Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten in der EU läge. Doch das mit Augenmaß. Der Verband bedauert zudem, dass es weiterhin „Cowboys“ (O-Ton) im Verkehrsgewerbe gebe, die es fortwährend darauf anlegten herumzutricksen. Dabei nähmen sie es billigend in Kauf, dass ein ganzes Gewerbe durch die Behörden in eine Art Sippenhaft genommen werde, von einer eklatanten Form der Wettbewerbsverzerrung im Verkehrsgewerbe selber ganz zu schweigen. Der SAV: „Dieser kleinen Minderheit von Falschspielern muss noch viel mehr auf die Finger geschaut und bei Verstößen noch massiver zur Rechenschaft gezogen werden.“ Zu den vordringlichen Aufgaben der Politik gehört aus Sicht des SAV, dass sie zudem für einen raschen Ausbau der sicheren LKW-Parkplätze entlang der Autobahnen sorgt. In dem Zusammenhang gelte es auch, die Sozialeinrichtungen für die Fahrer auf diesen Anlagen auszubauen. (eha)
Belgisches Transportgewerbe verärgert über Lenk- und Ruhezeiten
Immer mehr Transportfirmen und LKW-Fahrer empfinden pingelige Kontrollen als „Hexenjagd“