Berlin. Nach der vorläufigen Absage des Börsengangs prüft die Deutsche Bahn nach Informationen des "Tagesspiegels am Sonntag" Möglichkeiten, doch noch an privates Kapital zu kommen. So könnte sich der Bund zunächst nur von einer kleineren Tranche trennen, zitiert die Zeitung Unternehmenskreise. Möglich sei etwa der Einstieg von nur zwei oder drei Großinvestoren. Bislang war vorgesehen, 24,9 Prozent der Transporttochter Mobility Logistics an der Börse zu verkaufen. Auch der "Spiegel" berichtete über Bestrebungen von Bahnchef Hartmut Mehdorn, nach der Verschiebung des Börsengangs eine Teilprivatisierung seines Unternehmens voranzutreiben. Mehdorn wolle Teile der Logistik-Sparte an ausgesuchte Großinvestoren verkaufen, meldet das Magazin. Dafür suche er die Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Laut "Tagesspiegel" (Samstag) hat Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) dem Manager eine entsprechende Verhandlungsvollmacht für den Teilverkauf aber schon am Donnerstag verweigert. In der Koalition schafft der Plan eines vorgezogenen Teilverkaufs der Bahn außerhalb der Börse indes neue Fronten. Angebliche Investoren wie die umworbene Russische Staatsbahn sowie chinesische und arabische Staatsfonds kämen als Anteilseigner an der DB AG „nicht infrage“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer am Montag. Diese Länder würden autokratisch regiert, die Kaufgebote seien „nicht nachvollziehbar“. Dagegen erklärte Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach einem Treffen mit dem chinesischen Handelsminister Chen Deming, Beteiligungen von Staatsfonds – besonders aus China – seien willkommen. Der CDU-Verkehrspolitiker Klaus Lippold erhofft sich von einem vorgezogenen Teilverkauf und einem „möglichst Anfang 2009“ folgenden offiziellen Börsengang die Mittel, um dem drohenden Verkehrsinfarkt und Engpässen auf Schiene und Autobahnen entgegenzuwirken. Die Teilprivatisierung müsse mindestens fünf Milliarden Euro bringen, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses. „Wir Brauchen das Geld, das uns der Finanzminister nicht gibt“, kritisierte Lippold. Nach der vorläufigen Absage des Börsengangs durch die Regierung in der vergangenen Woche will Mehdorn in den nächsten Tagen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammenkommen. Dort will er dem Vernehmen nach über gezielte Vorab-Teilverkäufe der Transport- und Logistiktochter der Bahn, Mobility Logistic (ML), wenigstens einen Teil des neuen Eigenkapitals hereinholen, das ihm in der derzeitigen Finanzkrise verwehrt ist. Die Teilprivatisierung sieht einen ML- Teilverkauf von 24,9 Prozent vor – darunter auch an Großinvestoren. Finanzminister Peer Steinbrück und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (beide SPD) hatten in der vergangenen Woche den ursprünglich für 27. Oktober geplanten Börsengang auf eine längere Zeit bis ins nächste Jahr hinein abgesagt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm machte jetzt aber erneut klar, dass der Schritt aufs Börsenparkett durchaus infrage kommt, sobald die wirtschaftliche Entwicklung ausreichende Einnahmen erwarten lässt. Mehdorn hatte in den vergangenen Wochen für den Börsengang um Investoren geworben: so auch in China, bei der russischen Staatsbahn sowie den Scheichs in den Vereinten Arabischen Emiraten. Sie kommen für Mehdorn als Investoren infrage, bei der Kanzlerin will er sich nach Presseberichten die nötige Rückendeckung holen. (dpa)
Bahn prüft neue Möglichkeiten der Geldbeschaffung
Mehdorns Teilverkauf-Pläne an Großinvestoren schaffen neue Koalitionsfronten