10.07.2008 | Transport + Logistik

Bahn-Börsengang: Keine Volksaktie – Großanleger im Visier

Frankfurt/Berlin. Die Deutsche Bahn will bei ihrem für den Herbst geplanten Börsengang bis zu 90 Prozent der Aktien an institutionelle Anleger abgeben. „Wir haben einen deutlichen Fokus auf internationale institutionelle Investoren, 80 bis 90 Prozent der Emission sollen an sie gehen“, sagte Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack am Donnerstag in Frankfurt.

Für den Börsengang, bei dem die Bahn 24,9 Prozent ihrer neuen Tochter DB Mobility Logistics an den Markt bringen will, sei weiterhin der Herbst angestrebt, sagte Sack. Der Zeitplan solle in den kommenden Wochen aufgestellt werden. Aus Kreisen des Aufsichtsrats war Ende Mai der 5. November 2008 als geplanter Termin für die Erstnotierung an der Börse genannt worden.

Dem schwankenden Marktumfeld glaubt die Bahn trotzen zu können. So gebe es keine Untergrenze für den Punktestand des Aktienindex DAX, bei der der Börsengang verschoben würde. „Ich glaube nicht, dass die Finanzmarktkrise etwas mit unserem Geschäft zu tun hat“, sagte Sack. Es gebe genug Investoren, die ihr Geld in Qualität anlegen wollten.

Vorstandschef Hartmut Mehdorn sagte in Berlin, bei Kontakten mit Investoren stelle er großes Interesse fest. Trotz der derzeitigen Kapitalmarktschwäche mache er sich keine Sorgen um den Börsengang. „Wir sind da völlig stressfrei“, sagte Mehdorn am Donnerstag vor Journalisten. „Wir werden die Aktie zu irgendeinem Zeitpunkt zu irgendeinem Preis anbieten.“ Dann werde man sehen, wie der Markt reagiere. Verschleudern werde der Konzern das Aktienpaket aber nicht. „Es ist ja nicht so, dass wir müssen“, fügte er hinzu.

Finanzvorstand Sack sagte, für Privatanleger werde es keine Rabatte geben, auch nicht für treue Bahnkunden. Auch seien keine groß angelegten Werbeaktionen geplant. „Wir machen keine Kampagne mit Prominenten“, sagte Sack. Für Mitarbeiter werde jedoch ein spezielles Programm aufgelegt.

Die Bahn will nach Worten Sacks auch im Nahen Osten, Japan und in anderen asiatischen Ländern um Investoren werben. „Auch die russische Bahn und die französische können bei uns investieren, so wie alle anderen auch“, sagte der Finanzchef und trat so Überlegungen entgegen, diese Bahngesellschaften könnten schon vor dem Börsengang einsteigen.

Der gesamte Emissionserlös werde sich voraussichtlich zu einem Drittel aus einer Kapitalerhöhung der Tochter speisen, der Rest seien Altaktien aus dem Bestand des Mutterkonzerns. Dieser zweite Teil soll zur Hälfte in den Bundeshaushalt gehen und zur anderen Hälfte an das Bundesverkehrsministerium, für Investitionen in die Infrastruktur und etwa in Lärmschutz. In der DB Mobility Logistics sind der Personen- und Güterverkehr und das weltweite Logistikgeschäft gebündelt. Die Konzernmutter, die dem Bund gehört, bleibt alleiniger Eigentümer des Schienennetzes, der Bahnhöfe und der Energieversorgung. (dpa/sv)

 
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