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Frank Bühler

Frank Bühler, Leiter Physische Logistik im Werk München der BMW Group

©BMW

Warum BMW einen elektrischen 40-Tonner einsetzt

Vor allem bei nächtlichen Transporten durch Wohngebiete soll der leise Elektro-Lkw Vorteile bringen, erklärt Frank Bühler, Leiter Physische Logistik im Werk München der BMW Group im Interview.

Herr Bühler, warum will BMW einen vollelektrischen Lkw für die Versorgung der Produktion im Werk München einsetzen?
Wir wollen im Bereich der City-Logistik mal etwas Neues, was Innovatives, ausprobieren. Wir zeigen damit sowohl der Öffentlichkeit als auch den direkten Nachbarn des Werkes München, dass wir es ernst meinen mit dem Thema Nachhaltigkeit. Wir sind damit unseres Wissens der erste Automobilhersteller in Deutschland, der einen vollelektrischen 40-Tonner zur Werksversorgung im öffentlichen Straßenverkehr einsetzt.

Wie werden bisher die Transporte durchgeführt?
Klassisch mit Diesel-Lkw und mit den entsprechenden Emissionen. Neben der CO2- und Schadstoffreduktion sind für uns vor allem die sehr geringen Lärmemissionen bei diesem Projekt von Bedeutung. Denn wir beliefern unser Werk auch nachts und müssen hierzu durch ein Wohngebiet fahren.

Welche Mehrkosten verursacht dieses Vorzeigeprojekt gegenüber dem herkömmlichen Transport?
Innovationen kosten Geld, unser Logistikdienstleister Scherm und die BMW Group investieren eine sechsstellige Eurosumme in das Projekt.

Gibt es staatliche Förderungen?
Nein, wir haben keine Fördermittel genutzt.

Ab Juli wollen Sie das Fahrzeug für ein Jahr testen, welche Kriterien müssen erfüllt werden, damit der Versuch als erfolgreich gewertet werden kann?
Das Wichtigste ist die technische Stabilität des Fahrzeuges. Außerdem sollten die Betriebskosten im geplanten Rahmen bleiben.

Was heißt technische Stabilität für Sie genau?
Die Fahrzeugmontage im Werk München fertigt rund 1000 Einheiten pro Tag. Hierfür die Teileversorgung sicherzustellen, hat oberste Priorität. Der E-Lkw ist bei einem Zweischichtbetrieb von 5:30 Uhr bis 24 Uhr im Einsatz und fährt je nach Bedarf bis zu acht Mal die knapp zwei Kilometer lange Strecke vom Versorgungszentrum zum Werk. Die Batteriekapazität muss dafür zuverlässig ausreichen, das soll das Pilotprojekt nun in der Praxis beweisen.

Gibt es weitere Einsatzfelder für solche oder andere vollelektrische Fahrzeuge in der BMW-Logistik?
Ja, wir planen, im Werk Leipzig in diesem Jahr ein ähnliches Fahrzeug zu testen. Unsere Logistikströme für das Werk München bieten aktuell in etwa das Potenzial, theoretisch bis zu einhundert solcher vollelektrischer Lkw für die nahe Werksversorgung einzusetzen.

Was heißt „nahe“ Werksversorgung?
Die Fahrzeuge eignen sich durch ihre Batteriekapazität für einen Einsatz in einem Radius von bis zu 20 Kilometern um das Werk. Außerdem ist zu beachten, dass die Lkw bis dato nur über eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h verfügen und somit nicht auf der Autobahn fahren können.

BMW bietet im Pkw-Bereich mit dem I3 und I8 seit über einem Jahr selbst vollelektrische Fahrzeuge an. Haben diese Fahrzeuge ihr Projekt beeinflusst?
Technisch haben der Elektro-Lkw und I3 und I8 eigentlich nichts gemeinsam. Aber die positive Resonanz der Kunden auf unsere beiden neuen Elektro-Pkw und auf das Thema Elektromobilität insgesamt haben sicherlich dazu geführt, dass BMW-intern noch mehr darüber nachgedacht wird, Produktionsprozesse nachhaltiger zu gestalten.

Das Interview führte der stellvertretende Chefredakteur der VR, Andre Kranke

Hintergrund:
Gemeinsam mit dem Logistikpartner Scherm will der Automobilhersteller BMW einen rein elektrisch betriebenen 40 Tonnen schweren Lkw im Münchner Stadtgebiet einsetzen. Das Zugfahrzeug mit Straßenzulassung des Herstellers Terberg soll ab dem Sommer für Just-in-time-Materialtransporte im Kurzstreckenbereich zum Einsatz kommen. Durch den alternativen Antrieb ist der Lkw laut BMW CO2-neutral und leise unterwegs. (ak)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special TERBERG FAHRZEUGE.

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