Lkw-Unfall mit Radfahrer-Dummy

Zum Glück nur ein Dummy: Auf der Straße verlaufen solche Unfälle häufig tödlich

©UDV

Versicherer: Technik könnte Leben retten

Unfälle mit schweren Lkw enden oft tödlich. Ein Großteil der Unfälle könnten nach Ansicht der Unfallforschung der Versicherer mit technischen Maßnahmen vermieden werden.

Berlin. Unfälle mit schweren Lkw enden oft dramatisch. Dabei sterben pro Jahr fast 500 Menschen; über 3200 werden schwer verletzt. Viele dieser Unfälle wären mit den heute verfügbaren technischen Maßnahmen vermeidbar oder würden glimpflicher ablaufen. Das hat eine Analyse des Unfallgeschehens von schweren Lkw ergeben, die die Unfallforschung der Versicherer (UDV) im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt hat. Dabei wurden drei häufige Unfallkonstellationen identifiziert, die auch besonders schwere Unfallfolgen haben: Ein Lkwfährt auf ein Stauende auf, ein Auto fährt am Stauende auf einen Lastwagen auf oder ein Lkw-Fahrer übersieht einen Radfahrer. Die UDV fordert daher verstärkt Maßnahmen gegen diese häufigen Unfallursachen einzuleiten.

Ursache 1: Auffahrender Lkw

Bei einer Sonderuntersuchung des Unfallgeschehens in Brandenburg habe sich gezeigt, dass fast ein Fünftel aller schweren Lkw-Unfälle und 30 Prozent der dabei Getöteten einem Vorfall mit einem auffahrenden Lkw zuzuordnen waren. Ein optimales Notbremssystem hätte in etwa 80 Prozent der Fälle den Unfall ganz verhindert oder die Folgen deutlich verringert. Deshalb fordert die UDV, dass die Wirksamkeit von Notbremssystemen deutlich erhöht werden muss.

Die Kollision auf stehende Fahrzeuge müsse vollständig vermieden werden. Daher dürfe das System durch den Fahrer nicht dauerhaft deaktivierbar sein. „Wären diese Forderungen erfüllt, könnten die meisten Auffahrunfälle vermieden oder deutlich abgeschwächt werden“, sagte UDV-Leiter Siegfried Brockmann.

Ursache 2: Auffahren auf Lkw

Übermüdung, Ablenkung und zu geringer Abstand führen immer wieder zu schweren Auffahrunfällen von Pkw oder Kleintransportern auf Lkw. In Brandenburg sind nach Angaben der UDV etwa ein Viertel aller schweren Lkw-Unfälle dieser Unfallkonstellation zuzuordnen. Die Unfallfolgen seien auch deshalb so schwer, weil der hintere Unterfahrschutz am Lkw zu schwach sei. Hinzu komme, dass das auffahrende Fahrzeug oft versetzt auf das Heck des Lkw fährt, so die UDV.

Die Versicherer fordern daher, dass die Wirksamkeit des Heckunterfahrschutzes weiter verbessert wird, indem dieser unter dynamischen Bedingungen und mit realistischen Prüflasten getestet wird. Unfallszenarien mit einer teilweisen oder geringen Überdeckung sollten dabei berücksichtigt werden. Darüber hinaus erachtet die UDV Notbremsassistenten auch für alle Pkw und Kleintransporter als notwendig. Zur Vermeidung solcher Auffahrunfälle gehöre zudem, die Folgen von Ablenkung und Übermüdung Pkw-Fahrern noch intensiver ins Bewusstsein zu bringen.

Ursache 3: Abbiegeunfälle von Lkw mit Radfahrern

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Besonders schwer und tragisch verlaufen Unfälle zwischen rechtsabbiegenden Lkw und Radfahrern, die meist innerorts und an Kreuzungen oder Einmündungen passieren – und das trotz Ampel oder Radfahrerfurt. Häufig werden die Radfahrer vom Lkw überrollt. Deshalb sei auch der Anteil der getöteten Radfahrer bei diesen Unfällen sehr hoch, so die UDV.

Ein wirksamer elektronischer Abbiegeassistent für Lkw, der den Fahrer bei Anwesenheit eines Radfahrers neben dem Lkw warnt, könnte in über 60 Prozent einen Unfall zwischen Lkw und Radfahrer verhindern oder zumindest abschwächen. Nach Meinung der Versicherer sollte dieser Assistent auch für Fahrzeuge der Bau- und Entsorgungswirtschaft, die mehr als die Hälfte der relevanten Unfälle verursachten, vorgeschrieben werden. Systeme mit warnender Funktion seien ein Anfang; Systeme mit Notbremsfunktion wären laut UDV jedoch besser. Um die gefahren zu verringern fordert die UDV zudem, Radwege im Einmündungsbereich direkt an der Fahrbahn entlang zu führen.

Lkw-Fahrer oft zu schnell und zu lange unterwegs

Eine Befragung der UDV unter 100 Lkw-Fahrern habe zudem bestätigt, dass diese  unter großem Druck stehen. Jeder vierte arbeite pro Woche mehr als 60 Stunden. Staus und eine schlechte Parkplatzsituation machen es den Fahrern nicht leicht, ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten. Geschwindigkeitskontrollen zeigen zudem, dass Lkw oft zu schnell unterwegs sind. Die UDV fordert daher auch die Lenk- und Ruhezeiten besser zu kontrollieren, mehr Parkplätze zu schaffen und auch häufiger Geschwindigkeits- und Abstandskontrollen durchzuführen.

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