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Vielen Unternehmen in der Logistik fehlt nach Meinung von führenden Fach- und Wirtschaftsjournalisten eine strategische Kommunikation

©VerkehrsRundschau

Umfrage: Medienprofis stellen Logistik ein schlechtes Zeugnis aus

Laut einer aktuellen Umfrage der Hochschule Würzburg bemängeln viele Fach- und Wirtschaftsjournalisten die Selbstdarstellung der Logistik in der Öffentlichkeit.

Würzburg/Gütersloh. Der Wirtschaftssektor Logistik verkauft sich in der breiten Öffentlichkeit schlecht. Zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt veröffentlichte Umfrage des Instituts für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg und der Gütersloher Agentur Hocke+Partner unter 49 deutschen Fach- und Wirtschaftsjournalisten, die im Frühjahr befragt wurden.

„Beim Thema Logistik denken auch fachlich versierte Journalisten schnell erst einmal an Umweltbelastungen, an LKW-Staus und an prekäre Arbeitsverhältnisse“, beobachtet Professor Christian Kille. Den Medienvertretern sei zwar bewusst, dass Logistik boomt und mit qualifizierten Leistungen und hochtechnischen Lösungen als Partner der Wirtschaft immer unverzichtbarer wird. Jedoch: „Den Logistikern fehlt offenbar die Phantasie für gute Stories und Botschaften.“

Problem für börsennotierte Logistiker

Zumindest für die börsennotierten internationalen Logistikkonzerne ist das mehr als nur ein Imageproblem. 39 Prozent der befragten Journalisten halten fehlende Informationen sowohl über die Unternehmen selbst, sogar 55 Prozent über den Wirtschaftssektor insgesamt für einen wesentlichen Grund, dass die Aktienkurse trotz der positiven, teils stürmischen wirtschaftlichen Entwicklung der Logistik seit Jahren keinen Höhenflug erleben. Kille: „Und jeder dritte Interviewpartner äußerte die Ansicht, dass die Unternehmen viel zu wenig über sich und ihre Aktivitäten publizieren. Mehr als die Hälfte der Befragten behaupten, dass deshalb auf der Investoren-Seite viel zu wenig über die Bedeutung der Logistik als Querschnittsfunktion durch alle Wirtschaftsbereiche und Branchen bekannt ist.“

Babylonisches Sprachgewirr“ und fehlende Strategie

Kritisch urteilen die befragten Journalisten nach Meinung der Studienautoren über ihre Gesprächspartner in den Kommunikationsabteilungen der Unternehmen und ihren Lobbyverbänden. Fehlende strategische Kommunikation, zu wenige Aussagen über die Bedeutung der Logistik für Wirtschaft und Gesellschaft und „babylonisches Sprachgewirr“ initiiert durch die unterschiedlichen Verbandsinteressen und Institutionen irritierten und verzerrten eine klare Wahrnehmung. „Mindestens 13 verschiedene Organisationen fühlen sich autorisiert, das Thema Logistik aus Ihrem teilweise eingeschränkten Blickwinkel zu kommunizieren. Das ist kontraproduktiv, führt zur Desorientierung und Interessenlosigkeit, weil keiner mehr durchblickt“, sagt Kommunikationsexperte Wolfpeter Hocke. „Mancher Bundesverband mit klangvollem Namen wird sich wundern, dass er selbst von fachlich versierten Journalisten so gut wie gar nicht wahrgenommen wird.“

Dabei schätzten und suchten die Medienvertreter die Professionalität bei den Logistikern, so die Studienautoren. Auf die Frage, von welchen Unternehmen sie sich gut informiert fühlten, nannten nahezu alle Befragten ausschließlich die großen, weltweit operierenden Logistik-Konzerne. Diese Kontakte haben entscheidend die Bedeutung der Logistik in den letzten Jahren aufgewertet. So suchen 79 Prozent der Journalisten ihre Gesprächspartner bevorzugt auf der Vorstands- oder Geschäftsführungsebene, wo sie die Kompetenz für strategische Branchenthemen erwarten.

Online-Handel ist Wachstumstreiber

Die größten Wachstumsimpulse werden laut Umfrage insbesondere im Online-Handel (94 Prozent), aber auch in der Lebensmittel- (60 Prozent), Automobil- (57 Prozent) und Pharmaindustrie (49 Prozent) gesehen. Dabei werden die Megatrends wie elektronischer Handel, Globalisierung und technologische Entwicklungen als potenzielle Wachstumstreiber eingeschätzt. Allerdings hat die Logistik da zumindest in der Ansicht ihrer Medien- Beobachter ein erhebliches Manko: Nur zehn Prozent halten die Unternehmen für innovativ. Hingegen sind 90 Prozent der Auffassung, es werde nicht genug in Forschung und Entwicklung investiert. (ak)

 

Veranstaltungs-Hinweis:

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Wann und Wo: 10. und 11. Juli in München
www.verkehrsrundschau.de/events-pressearbeit

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special KILLE, CHRISTIAN PROFESSOR.

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Kille, Christian Professor, Hochschule Würzburg-Schweinfurt Logistik


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