Erfurt. Umweltverbände haben Land und Kommunen vorgeworfen, zu wenig gegen die Feinstaubbelastung zu tun und Umweltzonen gefordert. So werde in Weimar seit Jahren an mehr Tagen als zulässig der Grenzwert überschritten, sagte Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Bund) am Dienstag. Auch in Mühlhausen sei 2009 an 49 Tagen zu viel Feinstaub gemessen worden, obwohl die Höchstgrenze bei 35 Tagen liege. Noch immer habe aber keine Thüringer Stadt Umweltzonen eingerichtet, die für Fahrzeuge mit hohem Rußausstoß tabu seien. "Die Vorgaben werden konsequent missachtet." Feinstaub sei europaweit jährlich für 300.000 Todesfälle verantwortlich und beschleunige gleichzeitig das Abschmelzen der Arktis. Er befürchte, dass das Thema auch von der Landesregierung weiterhin nur als eine "lästige EU-Vorschrift" wahrgenommen werde, sagte Vogel. Nach Erfahrungen aus Berlin könne eine Umweltzone die Belastung um ein Viertel senken ohne der Wirtschaft zu schaden. Die bisherigen kommunalen Luftreinhaltepläne nach Überschreitung der 35-Tage-Grenze mit zusätzlichen Ampeln, Abbiegspuren oder anderen Straßenbelägen reichten erkennbar nicht aus, um die Belastung dauerhaft zu senken. Umweltzonen mit Zufahrtsverboten für Autos mit hohem Rußausstoß seien ein "indirekter Weg", diese Fahrzeuge umzurüsten oder aus dem Verkehr zu ziehen. Der Bund und andere Verbände fordern Rußfilter auch für alle weiteren Dieselfahrzeuge, etwa Baumaschinen, Bahnloks oder Traktoren. Thüringer Spitzenreiter sind nach Zahlen der Landesanstalt für Umwelt und Geologie in diesem Jahr bislang Mühlhausen und Nordhausen mit zwölf beziehungsweise elf Tagen, an denen der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft zum Teil um mehr als das Doppelte überschritten wurde. Von den 21 Messstationen verzeichnet demnach nur Neuhaus/Rennweg eine "ausreichende" Luftqualität bei Feinstaub, während für die übrigen "schlecht" oder "sehr schlecht" zu Buche steht. (dpa)
Verbände fordern Umweltzonen in Thüringer Städten
In Thüringen werden seit Jahren die Feinstaubgrenzen überschritten, es gibt aber noch keine einzige Umweltzone