Umweltschützer kritisieren nationales Hafenkonzept

27.03.2009 14:38 Uhr
Containerterminal
Kritik am Hafenkonzept der Bundesregierung
© Foto: ddp

Verbände fordern Spezialisierung und Arbeitsteilung einzelner Häfen anstatt des parallelen und unkoordinierten Ausbaus aller Standorte

Berlin/Frankfurt/Rostock. Das von Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) geplante Konzept zur Entwicklung der deutschen See- und Binnenhäfen stößt bei Umweltschützern auf Kritik. Der vorliegende Entwurf, der die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Hafenstandorte sichern soll, sei „Stückwerk“, schrieben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Umweltstiftung WWF heute in einer gemeinsamen Mitteilung. Beide Verbände monieren insbesondere den „parallelen und unkoordinierten Ausbau aller Hafenstandorte“. Besser sei aus ökologischer Sicht eine stärkere Spezialisierung und Arbeitsteilung einzelner Häfen, hieß es. Die Finanzierbarkeit von Tiefensees Plänen zogen BUND und WWF ebenfalls in Zweifel. Das Hafenkonzept enthalte nicht bezahlbare „Wunschlisten der Hafenwirtschaft mit über zehn Milliarden Euro an Bundesinvestitionen für Infrastrukturen im Seehafenhinterland“. In der derzeitigen schweren Krise der Containerschifffahrt seien aber gezieltere und bedarfsgerechtere Hilfen nötig. „Die umweltschädlichen Ausbaumaßnahmen an allen Hafenstandorten zugleich sind äußerst kurzsichtig“, bemängelte BUND-Verkehrsexperte Werner Reh. Genauere Aufgabenprofile für einzelne Hafenstandorte sind nach Ansicht Rehs überfällig. Bezöge man etwa den in Cuxhaven vorhandenen und in Wilhelmshaven geplanten Tiefwasser-Hafen besser in ein Gesamtkonzept ein, sei die „unökologische Elbvertiefung überflüssig“. Die Wattenmeer-Referentin des WWF, Beatrice Claus, warf der Bundesregierung mit Blick auf das Hafenkonzept Hilflosigkeit vor. „Statt die Krise für Innovationen zu nutzen, hört sie auf die ‚alten‘ Hafenlobbyisten. Klima- und Umweltschutz kommen nur als leere Floskeln vor.“ Zudem vernachlässigten Tiefensees Vorschläge die Rolle der Ostseehäfen. „Dabei wären ein Kurzstrecken-Schiffsverkehr und Hafenkooperationen Alternativen zum Straßenausbau für Transporte in das Baltikum.“ (dpa)

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