Köln. Der Fall des Kabotageverbots dürfte den Wettbewerbsdruck auf die deutschen Transportunternehmer erhöhen. Zu dieser Einschätzung kommt das Bundesamt für Güterverkehr (BAG) in einer aktuellen Marktbeobachtung. Zum 1. Mai wird das Kabotageverbot für Transportunternehmen aus Polen, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, der Slowakei und Tschechien aufgehoben. Das BAG erwartet das große Verlader die zusätzlichen Fahrzeugkapazitäten als Druckmittel bei Preisverhandlungen benutzen. „Eine schwere Störung des Gesamtmarktes infolge der Freigabe der Kabotage in Deutschland“ werde jedoch nicht erwartet, heißt es in dem Bericht. Das BAG erwartet insbesondere stärkere Konkurrenz durch die Kaboteure in den Hafenhinterlandverkehren sowie bei Regionalverkehren in grenznahen Gebieten zu Tschechien und Polen. Die Experten des BAG weisen ausdrücklich darauf hin, dass die neue Konkurrenz ihren Ursprung nicht nur in ausländischen Unternehmen habe, sondern dass sich insbesondere auch Tochtergesellschaften deutscher Unternehmer, welche aus Kostengründen ihren Fuhrpark ausgeflaggt hatten, nun vermehrt in den Heimatmarkt drängen könnten. Die Anteile der Transportunternehmer aus Mittel- und Osteuropa im grenzüberschreitenden Verkehr steige bereits seit der EU-Osterweiterung im Jahr 2004 aufgrund deutlicher kostenbedingter Wettbewerbsvorteile gegenüber den deutschen Unternehmen. Laut BAG konnten polnische Transportunternehmen zwischen 2004 und 2007 ihre Verkehrsleistung im grenzüberschreitenden Straßengüterverkehr zwischen den EU-Staaten verdoppeln. Durch die Kabotagefreigabe würden die Osteuropäer künftig versuchen ihre Routen durch komplette Rundläufe zu optimieren. Die Transportunternehmen könnten dabei ihre Dienstleistung zu Preisen anbieten, welche für deutsche Wettbewerber nicht kostendeckend sei, analysiert das BAG. (sb)
Kabotagefreiheit: BAG erwartet mehr Preisdruck
Fall des Kabotageverbots verschärft Wettbewerb: Mittel- und osteuropäische Transportunternehmer profitieren durch Kostenvorteile