Handelsketten müssen City-Logistik radikal ändern

03.05.2012 00:08 Uhr
Wim Bens, Weltverkehrsforum
Wim Bens, Geschäftsführer des Logistik-Instituts Dinalog, fordert radikales Umdenken bei der Innenstadtlogistik
© Foto: OECD

Beim Weltverkehrsforum in Leipzig diskutieren Experten über neue Konzepte der Innenstadtbelieferung

Leipzig. Nachhaltige Logistik in der Innenstadtbelieferung des Einzelhandels lässt sich nur verwirklichen, wenn die beteiligten Handelsketten radikal ihre Logistikkonzepte ändern. Vor allem müssten die Handelsunternehmen bei der Belieferung der Innenstadtgeschäfte stärker als bisher kooperieren und Transporte sinnvoll über Unternehmensgrenzen hinweg bündeln. Das sagte Wim Bens, Geschäftsführer des niederländischen Logistikinstituts Dinalog in Breda in einer Diskussionsveranstaltung zur Optimierung der City Logistik im Rahmen des Weltverkehrsforums in Leipzig. Eine Untersuchung ergab, dass sich die Zahl von 1900 LKW, die für die Innenstadtbelieferung des Einzelhandels der Stadt Breda nötig sind, um annähernd 90 Prozent reduzieren ließe, wenn Unternehmen ihre Transporte besser bündelten. Weniger als 10 Prozent der Sendungen benötigten überhaupt einen LKW zur Auslieferung, in über 40 Prozent der Sendungen handelt es sich um Kleinstsendungen. Voraussetzung hierzu sei der konsequente Austausch von Sendungsdaten und eine gemeinsame Planung der Transporte.

Für den Einsatz von Fahrrädern als Transportmittel in Innenstädten machte sich Manfred Neun stark. Neun ist Präsident des Europäischen Radfahrerverbands (ECF). „Es ist ein Irrtum zu glauben, dass wir die Lebensqualität in den Städten durch technologische Lösungen erhöhen können. Was wir brauchen ist der Einsatz von Menschen“, sagte Neun. Das Fahrrad sei flexibler als alle anderen Verkehrsmittel und sei für Lasten von 80 bis 250 Kilogramm das ideale Transportmittel. Eine Untersuchung des ECF zeige, dass 25 Prozent der Sendungen in der Innenstadtbelieferung geeignet für den Fahrradtransport seien. Er sei deshalb sicher, dass „Cargo-Cycles“ in der Zukunft eine wichtige Rolle in der Innenstadtlogistik spielen werden.

Beim Weltverkehrsforums der OECD in Leipzig treffen sich von Mittwoch bis Freitag die Verkehrsminister aus den 53 Mitgliedsländern, um die Zukunft weltweiter Mobilität zu diskutieren.

Der Gipfel steht unter dem Motto „Nahtloser Verkehr: Verknüpfungen schaffen“ und geht hauptsächlich der Frage nach, wie bessere Konnektivität die Lebensbedingungen der Menschen verbessern und Impulse für die Wirtschaft setzen kann.

Das Weltverkehrsforum ist bei der Internationalen Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD angesiedelt und Nachfolgeveranstaltung für die frühere Verkehrsministerkonferenz. Die Stadt Leipzig ist seit 2008 Gastgeberin für das Weltverkehrsforum. Der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hatte die Veranstaltung in seine Heimatstadt geholt. ITF und OECD haben ihren Sitz in Paris. (diwi)

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