Gotthard-Straßentunnel

Der Gotthard soll eine neue Röhre bekommen - doch das Projekt spaltet die Schweizer

©Picture Alliance/Rolf Haid

Streit um neuen Gotthard-Tunnel spaltet die Schweiz

Das Schweizer Parlament in Bern hat sich klar für eine zweite Straßentunnelröhre beim Gotthard-Tunnel ausgesprochen. Ob sie tatsächlich gebaut wird, steht jedoch in den Sternen.

Bern. Das einstige Wunderwerk ist zum Sanierungsfall geworden. Seit 34 Jahren verbindet der Gotthard-Straßentunnel nicht nur die Schweizer Kantone Uri und Tessin, sondern gehört auch zu den wichtigsten Transitstrecken durch die Alpen. Zuletzt rund sieben Millionen Fahrzeuge pro Jahr haben in dem fast 17 Kilometer langen Bauwerk ihre Spuren hinterlassen. Eine umfassende Sanierung ist dringend nötig. Doch was passiert dann mit dem Verkehr? Darüber streiten Politik, Anwohner, Umweltschützer und Wirtschaftsverbände.

Am Freitag verabschiedete das Schweizer Parlament in Bern mit klarer Mehrheit der bürgerlichen Parteien ein Gesetz für den Bau einer zweiten Röhre. Ob der Tunnel damit tatsächlich kommt, ist jedoch offen. Das letzte Wort haben die Bürger in einer Volksabstimmung, die voraussichtlich im kommenden Jahr stattfindet.

Das Gesetz sieht den Bau einer neue Röhre ab 2020 innerhalb von sieben Jahren vor. Anschließend soll der alte Straßentunnel gesperrt und saniert werden. Ab etwa 2030 sollen dann beide Tunnel je einspurig betrieben werden - ohne zusätzliche Verkehrsbelastung, wie die Befürworter versprechen und Befürchtungen entgegentreten.

„Woher soll denn dann plötzlich der zusätzliche Verkehr kommen?“, fragte Verkehrsministerin Doris Leuthard am Donnerstag bei der Debatte im Nationalrat. Die Kapazitäten auf der Gotthard-Achse seien heute schon größer als der tatsächliche Verkehr.

Die Gegner wollen dem wenig Glauben schenken. „Wenn wir diesen zweiten Straßentunnel bauen, wird der Verkehr im Kanton Tessin mit Sicherheit zunehmen“, sagte Marina Carobbio Guscetti, Abgeordnete der Sozialdemokratischen Partei (SP), der „Neuen Zürcher Zeitung“. „Dies hätte schwerwiegende Folgen für die Lebensqualität im Alpenraum. „Schon heute haben wir im Südtessin eine äußerst starke Luftverschmutzung.“

Carobbio Guscetti ist jedoch eine der wenigen Tessiner Politiker, die sich öffentlich gegen den Bau aussprechen. Denn in dem italienischsprachigen Kanton setzt zumindest die Politik große Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Belebung durch die zweite Röhre.

Uri lehnt die neue Röhre ab

Etwas anders ist es im Kanton Uri am nördlichen Tunnelende, wo man schon jetzt unter der Verkehrsbelastung ächzt. Dort hatten die Bewohner 2011 mit 57 Prozent den Bau einer neuen Röhre abgelehnt.

Landesweit sprachen sich die Schweizer vor zehn Jahren zuletzt gegen einen weiteren Tunnel am Gotthard aus. Damals war der Bau jedoch damit begründet worden, dass man die Verkehrskapazität erhöhen wolle.

Nun werden als Gründe für den Neubau die notwendige Sanierung sowie eine Erhöhung der Sicherheit angeführt. In den vergangenen anderthalb Jahrzehnten kamen 19 Menschen bei Unfällen in der zweispurigen Röhre ums Leben, die meisten davon bei Frontalzusammenstößen.

Ob insbesondere der Güterverkehr durch die Alpen so stark über die Straße abgewickelt werden muss, ist jedoch fraglich. Schließlich soll im Sommer 2016 der Gotthard-Basistunnel fertig werden, der dann mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt ist.

„Die Güter gehören endlich im großen Stil auf die Schiene“, fordert die Alpen-Initiative, die sich für den Schutz des Alpengebietes vor dem Transitverkehr einsetzt. Für den Vorsitzenden Jon Pult ist klar, dass zwei Röhren mehr Lastwagen auf der gesamten Achse Basel-Chiasso bringen: „Das ist ein massiver Angriff auf den Alpenschutz.“ (dpa)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special SCHWEIZ.

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Schweiz, Alpenquerender Güterverkehr


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