SNCF, Zug
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SNCF will sich mit einer neuen Strategie bis 2022 öffnen und international breiter aufstellen

©Andreas Gebert/dpa/picture-alliance

STRATEGIEPAPIER: SNCF WILL SICH ÖFFNEN

Guillaume Pepy, Chef der französischen Staatsbahn SNCF, will das Unternehmen bis 2022 mit einer neuen Strategie stärken. Er setzt auf Öffnung und Internationalisierung.

Paris. Öffnung nach allen Seiten: Das scheint das Motto des neuen Strategiepapiers bis 2022 zu sein, dessen Grundzüge der Chef der französischen Staatsbahn SNCF, Guillaume Pepy, kürzlich vorgestellt hat. „Wenn ein Unternehmen wie unseres angefochten und kritisiert wird, und wenn in unserem Hauptmetier, dem Schienenverkehr, Konkurrenz auf den Plan tritt“, wäre der erste Reflex, sich einzuigeln und die Schotten dicht zu machen, sagte er. „Wir haben im Gegenteil beschlossen, uns zu öffnen.“

Darunter versteht Pepy, in die Bahndaten auch Dritten Einblick zu geben, ebenso aber auch, für andere Mobilitätsformen, die historisch gesehen in Konkurrenz zur Bahn stehen, offen zu sein wie Carsharing, Fahrservice mit Chauffeur oder Langstrecken-Busangebote.

Überholung und Modernisierung der Infrastruktur

Im Auge hat Pepy bei alledem insbesondere das zunehmende Gewicht der US-Giganten Google, Apple, Facebook und Amazon, das diese auch im individuellen Mobilitätsbereich und dem des Warentransports ansteuern. Deshalb hat sich die Staatsbahn mit dem Busunternehmen Transdev (Transdev Véolia), dem Pariser Nahverkehrsanbieter RATP und dem Mitfahrservice Blablacar auf ein gemeinsames innovatives Projekt für den Individualverkehr  über eine Smartphone-App verständigt. Bislang hatte die Bahn ihre Vorhaben jeweils alleine angegangen – ohne echten Erfolg.

Am wichtigsten sei jedoch die Überholung und Modernisierung der Bahninfrastruktur, wofür dem Träger SNCF Réseau pro Jahr mehr als 3 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Ziel ist, mehr Züge passieren zu lassen als heute, und gleichzeitig die Wartungskosten mit Hilfe des Objekt-Internet zu verringern.

TGV und SNCF Réseau bereiten Probleme

Für Guillaume Pepy geht es in den kommenden 5 Jahren auch darum, die Wirtschaftlichkeitsmodelle mehrerer Konzernbereiche zu überdenken, und hier vor allem das des Frachtbetriebs. Dieser hat in 10 Jahren 3,2 Milliarden Schulden eingefahren. Ökonomische

Problembereiche sind ferner die Hochgeschwindigkeitszüge TGV, bis vor wenigen Jahren noch das erfolgreiche Schlachtschiff schlechthin, und der Netzbetreiber SNCF Réseau, der unter einer ständig weiter steigenden Schuldenlast von aktuell mehr als 40 Milliarden Euro ächzt. Mit der Aufgabe, das alles auf den Prüfstand zu stellen und bessere Modelle zu entwickeln, hat die Bahn kürzlich den früheren Air France-Chef Jean-Cyril Spinetta betraut.

Deutlich mehr Umsatz im Ausland

Um das Staatsunternehmen und seine weitere Entwicklung finanzieren zu können, setzt Pepy stark auf Internationalisierung. Bis 2025 will er die Hälfte des Umsatzes im Ausland erzielen. Derzeit ist es erst ein Drittel. Träger dieser Ausrichtung sollen die auf Citytransporte spezialisierte Keolis und die Logistiksparte Geodis sein. Der Bahnchef will den Umsatz hier von 10 Milliarden im Vorjahr langfristig auf 15 bis 17 Milliarden Euro hochschrauben.

Dafür hat er sich von Paris die Erlaubnis für eine Akquisition eingeholt. Dem Vernehmen nach ist der niederländische Logistiker Ceva im Visier. Er kam im letzten Jahr auf 6,6 Milliarden Euro Umsatz, wie der Infobrief „Mobilette“ berichtet. Bezahlt werden solle der Zukauf durch die Trennung von diversen Bahnaktiva wie etwa des Waggonverleihers Ermewa. (jb)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special RAILCARGO & KOMBINIERTER VERKEHR STRASSE-SCHIENE.

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